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Jeschurun · 1929-03-01 · Heft 3-4 (März 1929) · p. Seite 215

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 3-4 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 215 (sequence 109)
Language
German
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Der Zaddik, ein Drama von Ärthur Sakheim 215 weicht von seiner Gemeinde, denn ihr Rabbi ist jetzt, nachdem er die Sünde gekostet, ein Vollendeter ein wahrhaft Heiliger geworden. Äber die geschändete Sgnagoge ergreifen überirdische Flammen, und der Rabbi und seine Braut versinken im Feuermeer. Sein Opfertod hat die Gemeinde gerettet. — — — — — Die vorstehende Analyse des vielfach iabyrintischen, gedankenschweren Stückes zeigt eines klar: Es ist eine Ä p otheose des vorübergehend in Schuld und Sinnenlust verstrickten und sich selbst läuternden Chassid, ein erhabenes, aufrüttelndes Thema! Im Konflikt zwischen Triebleben mit Schönheit und Pflichtleben mit Entsagung ist Pflichterfüllung oberstes Gesetz — das ist die jüdische wie moralisch-ethische Maxime. Im Kampfe der Natur mit dem Sittengesetz ist derjenige frei, derjenige vollkommen, der die Natur ü b e r w i n d e t. So wird der Mensch nach jüdischer Auffassung ,,Geschöpf und Schöpfer zugleich“. (Max Brod, Heidentum, Christentum, Judentum I, 65). Nicht suchen muß der Mensch die Sünde, um heilig zu werden, sondern der gegebenen Versuchung wider stehen, das ist Aufgabe des irdischen Menschen. Die jüdische Legende kennt keine Gestalten wie der heilige Antonius oder die heilige Magdalena. Noch eines aber zeigt sich unabweislich klar: Dieses Drama mit seinen vielfach alle Grenzen des Anschaulichen und des Sprachausdrucks sprengenden, oft hymnischen, oft paukenhaft dröhnenden Ergüssen wird bei aller Großartigkeit der Gedanken kaum jemals ein Bühnenstück für uns werden. Die Handlung ist ganz ins Seelische gekehrt, die Konturen der meisten Charaktere zerfließen. Außer dem einigermaßen menschlich gehaltenen Rabbi (und seiner Mutter vielleicht noch) sind alle Gestalten schemenhafte Redefiguren, symbolisch und peripherisch gezeichnet. Das prachtvoll Gedankliehe kann uns über den Mangel einer bühnentechnisch handfesten Handlung und Entwicklung kaum hinwegtäuschen.

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