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Jeschurun · 1929-03-01 · Heft 3-4 (März 1929) · p. Seite 214

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 3-4 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 214 (sequence 108)
Language
German
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214 Der Zaddik, ein Drama von Ärthur Sakheim irdischen Trieben sich hingeben, es dünkt ihm gottgewollt ter Dienst am Werke der Natur, er will durch den Schlamm der Sünde waten. Dies ist Gottes Wille. Gottes ist das Ja und das Nein, das Gute und sein Gegenspiel, erst der Sünden״׳ erprobte Mensch kann Gott wahrhaft erleben. Die Sünde wollen, dann über sie hinwegkommen — das ist erhabenste Menschenaufgabe. Die blühende Erde, die Diesseitsfreuden sind auch Geschenke Gottes, und nicht geziemt bloße Kasteiung und Fleischestötung. Und so läßt der Rabbi in der Synagoge ein riesiges Bacchanal rüsten voll schämloser Lüste und infernalischen Schlemmertums. Und als Höhepunkt dieses phantastischen Festgelages, dessen Zeugen seine Chassidim sein sollen, fordert der Rabbi, daß man den Festesscharen Sulamit, seine junge Base, in ihrer ganzen makellosen Nacktheit und Schönheit vorführe. Gleichsam ein Chassid im Nietzsche-Gewände will der Rabbi seine Getreuen Lebensnähe und Lebensgier ad oculos lieben lehren, sie Sinnenlust ohne Schuldgefühl mitgenießen lassen, denn meerestiefe, dionysische Freude ist wahrer Gottesdienst. Irdische und himmlische Glückseligkeit, Gottes- und Frauendienst vermählen sich; eine Orgie unbändigen Freudenrausches beginnt — — — — Stummentsetzt aber stehen seine Frommen vor diesem Teufelsblendwerk, diesen sinnbetörenden Verführerkünsten, hören die Gotteslästerungen, betrachten voll Grausen den Irrsinn ihres Rabbi und tauschen lästerliche Bemerkungen über ihn aus — bis sich ihre Zunge zu hundertfältigen Flüchen über den Sohn Belials löst. Doch sie widerstehen allen Lockungen und Verführerchören, nehmen nicht am Sündenmahle teil und legen sich Ästarten nicht zu Füßen, die Träume der Lüsternheit umkrallen sie nicht. Durch die Unanfechtbarkeit seiner frommen Jünger ernüchtert, erkennt der Rabbi seinen Irrtum, der Satansbann weicht von ihm. Einen Äugenblick hat er der Geilheit und Fleischeslust gedient und hat Gottes Reinheitsbild getrübt. Er wird zum Bekenner seiner Sinnenlüste und wird nun erst zu Gottes erhabnem Ebenbilde emporgeläutert, seine Jünger erkennen in ihm den Sendboten Gottes wieder. Die Pest

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