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Jeschurun · 1929-03-01 · Heft 3-4 (März 1929) · p. Seite 213

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 3-4 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 213 (sequence 107)
Language
German
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213 Der Zaddik, ein Drama von Arthur Sakheim und dies kann als Urteil für das ganze Drama gelten. Das Emotionale, Leidenschaftgeschwängerte, Lavaglühende der Ätmosphäre, das Narkotische, Regellose der Empfindungswelt der Personen, das feuergarbenhaft Wildzuckende, Süßwehe inrer Äusdrucksweise — dies alles ist nicht von dieser und für diese Welt, ist viel zu sehr überhitzt und übersteigert, um je auf der Bühne Gestaltung zu gewinnen. Das Problemhafte wird vom Symbolischen überwuchert, und die Charaktere entfernen sich sichtlich vom realen Boden. Und darum ist eigentlieh schade, denn das Stück und der Stoff haben dramatisehe Qualitäten. Die Fabel des Dramas ist gegenwartsnahe und packend genug: Ein junger Wunderrabbi, von seiner Umgebung als Heiliger und Wundertäter vergöttert, leidet heimliche Folterquälen: die Pest wütet im Städtchen und fordert Hunderte von Todesopfern — und er, der vermeintliche Gottesmann, kann sie nicht bannen, denn im Herzen ist er ein U n - heiliger; er fühlt sich von irdischen Leidenschaften und rasenden weltlichen Begierden durchwühlt: die apollinische Schönheit und Fülle der Welt, sie kann nie 111 sündhaft sein, sie ist gottgeschaffen und notwendig wie die Naturgesetze, ist Teil von Gottes Herrlichkeit; Gutes ist mit Bösem und Böses mit Gutem in der Welt von Gotteshand gemischt, die Menscher! können und sollen keine Engel sein. — Bis ihn das Geheimnis der Mutter aus diesem heimlichen Dämmerzustand der Versuchung jäh aufpeitscht: In ihrer Todesstunde macht die Mutter ihn zum Mitwisser ihrer Lebensschände, er gehöre nicht zu den Frommen und Heiligen in Israel: in einem Pogrom sei sie von einem Kosaken vergewaltigt worden, und er sei die Frucht jener unseligen Stunde, er sei kein Zaddik, sei ein Verwerfen e r! — Diese Erkenntnis läßt eine neue Lohe der Leidenschaft in ihm emporzucken, doch kann sie ihn nicht dauernd nieder- 1werfen; er erkennt seine Doppelnatur, die Erkenntnis macht ihn fortan stärker, er will nunmehr das Böse, er will der fleischlichen Kreatur in sich dienen, fessellos seinen

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