Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 181 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2292929-2293065-2293067--10396-2303691- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Anders und nicht anderst 181 ״Mission“. Die Völker der Welt gehen bei der Aktivierung ihres Gottesbedürfnisses in relativ-endlicher Wirrnis auf, in das Gotteskindschaftsverhältnis treten sie nie ein. Und wenn es in der Weisagung heißt ומלאה הארץ דעה so ist damit ein verstandesgemäßes Erfassen der Einzigkeit Gottes gemeint, nicht aber Gotteskindschaft. Das innige Zusammensein, das Sichfinden mit Gott, dessen glühendstes Ersehnen in שיר השירים in Worte gekleidet ist, werden wir mit niemandem teilen. Jenes וזכרתי לך חסד נעוריך אהבת כלילותיך ist nur zu uns gesagt. Den Inhalt der jüdischen Geistigkeit können wir weder mit unseren Begriffsmitteln werten, noch können wir ihn mit Anderem vergleichen, es fehlt die gemeinsame Plattform des Denkens und der Anschauung. Die innere Stimme unseres Volkskörpers, unserer Volksseele, unserer Wesenhaftigkeit sagt uns, daß wir anders sind als die Anderen., Nachbemerkung. Der Artikel des Herrn Forst bringt im Wesentlichen nur eine Wiederholung dessen, was er schon in seinem von mir bekämpften Aufsätze in den ״Luachblättern“ 5629 der Wiener Agudas-Jisroel, Jugendgruppe gesagt hat. Nur daß die Ueberspannung des großen jüdischen Einsamkeitsgedankens, die Kompromittierung der Auserwähltheitsidee noch schlimmer geworden ist. Es genügt daher, wenn ich in der Hauptsache auf meinen in der vorigen Nummer des ״Jeschurun“ veröffentlichten Artikel ״Anders als die Anderen4‘ verweise. Was Herr Forst im Besonderen über Kaffeehausmob, Journalistentyp, Dekadenzerscheinungen usw. schreibt, ist mir zum großen Teil sehr sympathisch — bin ja gerade ich es, der den Kampf gegen die leider auch unter den Orthodoxen übliche und für sie doppelt blamable Wertschätzung eines garstigen und unjüdischen Unwesens auf genommen hat. Jch glaube nur nicht, daß man das einsame Weltschicksalsvoik in eine Weltvogelscheuche verwandeln muß, um dieses Uebel zu beseitigen. Das Heer der jüdischen Ällerweltsnarren würde dadurch nur an wachsen. Dr. Nathan Birnbaum.