Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1929-03-01 · Heft 3-4 (März 1929) · p. Seite 178

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 3-4 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 178 (sequence 72)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2292929-2293065-2293067--10393-2303688
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

178 Änders und nicht anderst nicht durch uns selbst verstehen, werden wir diesem Namen nicht gerecht. Wo ist die jüdische Musik? Viel ,, Beweismater iah4 wird auch hier nicht vorhanden sein. Höchstens jene alte Weise des כל בדריvon der man sagt, sie sei spanischen Ursprungs, oder die von Wallachen und Zigeunern übernommenen ostjüdichen Melodien, denen der siavische Zug viel mehr anhaftet als der jüdische? Alle jüdischen Kunstäußerungen tragen unverkennbar den Stempel des Landes, in dem sie getätigt wurden. Man wolle aber nicht meinen, daß dies eine Folge unserer Zerstreuung, des Mangels an einheitlicher Konzentration auf gemeinsamer Erde sei; auch zur Zeit unserer nationalen und politischen Autonomie war unser Verhältnis zur Kunst nicht anders. Juden benützten für ihre Bauwerke alle möglichen babylonischen, assyrischen, phönizischen, später griechisch-römischen Motive, nur keine jüdischen. Man betrachte doch die syrisch-palästinensischen Synagogenbauten vom fünften bis zum ersten vorchristlichen Jahrhundert und ,,entdecke“ doch an ihnen etwas jüdisches! Es ist hier ebenso wie bei der pseudojüdischen Philosophie, deren griechisches, bezw. arabisches Wesen unter dem jüdischen Mantel hervorschaut. Kann man ein Phänomen, das sich durch Jahrhunderte und Generationen bei einem Volke zeitigt, als Manko werten? Kann man all diese Erscheinungen, bei denen, wenn man sie resümiert, man zugeben muß, es hier mit einer Besonderheit zu tun zu haben, die nur begriffen werden kann, wenn wir sie mit der Wesenhaftigkeit des jüdischen Volkes in Verbindung bringen, als ein Fehlen ansehen? Wenn schon von ״Jüdischem“ in der Kunst die Rede ist, empfindet man die Werke Rembrandts nicht ,,jüdischer“ als alle Erzeugnisse aller jüdischen Künstler zusammen? Und Josef Israels, bei dessen Werken man sich verleitet ־fühlt, an ihnen etwas jüdisches zu finden, ist ein Nachfahre Rembrandts. Alle anderen Künstler jüdischer Abstammung gehen im französischen und deutschen Klassizismus, Secessionismus, Ex- und Impressionismus auf, die Teilhaftigkeit ihrer jüdi-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.