Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 176 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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176 Änders und nicht anderst zuckenden Körper packt, dem sich wie wahnsinnig gebärden״ den Menschen Worte entringen, er seines Menschentums ent״ kleidet ist, um als Gerät und Sprachrohr des lebendigen Got״ tes zu dienen, so sind das Psalmbuch, das Lied der Lieder, das Buch Hiob, alle Bücher der heiligen Schrift, Übermenschliehe נביאה Sie sind nicht heilig wegen des ״unermeßlich großen Wertes für Gotteserkenntnis und Sittlichkeit, sondern weil sie Formen des geoffenbarten göttlichen Geistes sind. Man könnte nun einwenden, daß an eben dieser Form, die ja wegen ihrer Verschiedenartigkeit auf Individualität schließen läßt unbeschadet der göttlichen Inspiration der Mensch mit künstlerischen Formen Anteil hat. Dieser bestechende Ge״ danke wird aber zunichte, wenn wir uns die Tatsache vor Äugen halten, daß in unserer Ueberlieferung die Worte ge״ deutet, jede leiseste Nuancierung Grundlage für turmhohe Gebäude der Halacha ist. ,מצוד und עבירה, also Dinge von ab״ solutem ewigem Wert, entstehen durch eine ״künstlerische“ Wortwendung. Da kann man nicht von einer bloßen Entlaöung künstlerischen Fühlens sprechen und die מצות התורה nicht unter dem Aspekt der Kunst sehen. Bezeichnend ist auch das Verhältnis der jüdischen Masse zum Studium des נ״ך. Abgesehen davon, daß es fast garnicht gepflegt wird und der Talmud die Kenntnis der נביאים וכתובים vermittelt, ist sogar eine gewisse Zurückhaltung und Scheu bei der (für unsere Beurteilung maßgebenden östlichen) Masse bemerkbar. Weiter ist auch der Umstand, daß sich während des ganzen Verlaufes der jüdischen Geschichte gar keine profane Literatur durchgesetzt hat, bemerkenswert. Die vereinzelten Ausnahmen wie z. B. gewisse Wein״ und Liebeslieder mittelalterlicher jüdi״ scher Schriftsteller, sind fast gänzlich unbekannt geblieben und haben auf das Volk nicht den geringsten Einfluß aus״ geübt. Alle Kulturbetätigung der Menschen war in ihren An״ fangsgründen religiös, d. h. ihr religiöser Charakter war deut״ lieh ausgeprägt, denn in Wirklichkeit dient sie ja auch heute in ihrem Wesen der Befriedigung desselben metaphysischen Be״ dürfnisses. Sie ist nur im Laufe der Zeit aus der Grenze des