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Jeschurun · 1929-03-01 · Heft 3-4 (März 1929) · p. Seite 175

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 3-4 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 175 (sequence 69)
Language
German
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Änders und nicht anderst 175 seiner Aufgabe Gelegenes, intensiv zu tätigen. Ja was ist denn seine Aufgabe? Nicht die Bindung an Gott, nicht ״das eigene Menschentum innig und gläubig in Gottes Weltenpracht einzufügen und in heißem Erglühen für Gott Schönheit zu gestalten?“ Und tatsächlich ist Kunst das religiöse Erlebnis kat’ exochen. die Materie als formgewordene Wesenhaftigkeit, als Ereignis, Geschehnis, als Symbol von Gewolltem, als fühlbarer Ausdruck treibender Seele. Deutlich haftet jedem Erzeugnis wahrer Kunst sein Wesen als Antwort auf die Frage des Seins und des Schicksals an. Und auch in der heutigen modernen Kunst, wenn sie auch der Epoche des Niederganges angehört, ist ein Zug ins Uebersinnliche, eine gigantische Formung des metaphysischen Bedürfnisses in Linie und Raum bemerkbar. — Und doch, — hat das jüdische Volk seine innerste Wesenhaftigkeit nicht in Kunst geformt. Sicherlich geht dem jüdischen Volke das Bedürfnis und die Freude an Schönheit nicht ab, aber ihm mangelt die Fähigkeit, Schönheit zu gest alten. Wo ist die jüdische Musik? Es ist erstaunlich, daß sogar Menschen, die eine tiefe Beziehung zur jüdischen Volksseele haben, doch jüdische Kunst zu finden das Bedürfnis haben, gleichsam als ob die Einzigartigkeit und Einmaligkeit des jüdischen Volkes, deren sie sich ja bewußt sind, nicht auch in diesem eigentümlichen Verhältnis zum logisch-ethisch-ästhetischen Komplex bestehen könne. Insbesondere wird auf den angeblich künstlerischen Charakter der Propheten und überhaupt der ganzen Bibel hingewiesen. Es ist dies ein großer Irrtum, denn das überlieferte Schrifttum ist nicht ״Kunst“ sondern ״בבואה Man könnte ebensogut משכן und die כלי המקדש als Kunstwerke bezeichnen, wo sie doch bis ins kleinste Detail in ihren Maßen und Verhältnissen durch göttliche Willenskundgebung הכל בכתב מיד ד׳ עלי השכיל vorbestimmt waren, der Künstler ״gleichbedeutend dem נביא war. Ebenso wie der Prophet sich über die seinem Munde entströmende נבואה keine Rechenschaft geben kann, ein furchtbar dräuendes unbeschreibliches Gefühl ihn ergreift, den wie konvulsivisch sich

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