Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 172 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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172 Änders und nicht anderst Ausstrahlung der Thora zur Kenntnis genommen, ihre Art der Einbeziehung ins Absolute, von Gott geoffenbart ist. Was ist Ethik? Was ist Moral? Sie sind nichts als Formen des egoistischen Lebenswillens der Menschen, nichts als intensive Bejahungen des Ich und ohne Bindung an Gottes absoluten Willen kommen sie aus der Sphäre des Ego nicht hinaus. Der יצר לב האדם ist auch mit seinen moralischen und ethischen Bedürfnissen ״רע Beziehung zum wahren, wirklichen Sein hat im Grunde nur unser metaphysisches Bedürfnis als Offenbarung Goltes in uns. Die Moral und das Sittengesetz 2xistieren nicht, die Relativität und die Verschiedenheit der Moralbegriffe sind kein ,,Herumpendeln um das wahre Sittengesetz4׳, sondern sie sind die tiefsten Ausprägungen des Unewigen, des Endlichen im Menschen. Merkwürdigerweise waren im Judentum immer Tendenzen,, das logische, ethische oder ästhetische Prinzip zum vorherrsehenden zu machen. So hat man den höchst bedeutsamen Satz der Mischna האומר על קן צפור יגיעו רחמיך וכר״ י ״ ,,Wer da sagt, Gottes Barmherzigkeit reiche auch an das Vogelnest heran, den mache man verstummen, denn er macht Gottes Gebote zur Barmherzigkeit und sie sind doch nichts als גזירה) גזירות ist auch mit seinen moralischen und ethischen dende Befehl göttlicher Willensvollstreckung) verschiedenartig interpretiert, doch wir bleiben beim einfachen, sichtlichen Sinn des Wortlautes, wie ihn auch רש״י z. St. auf faßt. Es ist die tiefe Verneinung menschlicher Begriffanwendüng in Bezug auf Thorageistigkeit. Es gibt im Komplex der menschlichen Denkformen einen Teil von Gefühlen und Bedürfnissen, die wir als soziale, ethische oder moralische bezeichnen. Der göttliche Schöpfungsspruch ״es sei“ lebt in uns, in allen Wesen, als ungestümer intensiver Lebenswille fort und alle Äeußerungen menschlichen Bewußtseins sind auf diesen zentralen Willen zurückzuführen. Auch die moralischen und ethischen Bedürfnisse der Menschen entspringen dieser egozentrischen Wurzel. Und dort, wo sie als Grundlage einer Rechts- oder Staatsordnung vorhanden sind, muß man