Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 169 (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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Änders und nicht anderst 169 tisemitismus kann nur befriedigend erklärt werden, wenn wir es als Kundgebung der differenzierten Wesenhaftigkeit, als triebhaftes Sichwehren der Masse, als Beweis der Unmöglichkeit des Verwischens und Amalgamierens der inneren ureigenea Wesenhaftigkeit der Menschen werten. Und was die Geistestaten jüdischer Denker und Forscher betrifft, so wird man, wenn man sie in ihrer Erscheinung zu werten und zu deuten versteht, sie nicht als ureigene schöpferische Tat, sondern als umstürzende und zersetzende verstehen. Diese Erscheinung tritt immer dort auf, wo Juden auf Gebieten, die nicht zum Bereich der ihrer Wesenhaftigkeit entsprechenden Schicksalsidee gehören, ihr metaphysisches Bedürfnis aktivieren. An den in unserer Zeit so ausgeprägten Dekadenzerscheinungen haben Juden einen unverhältnismäßig großen Anteil. (Ich möchte hier nicht mißverstanden werden, es ist hier nicht von ״Zersetzung“ die Rede, wie dies Wort gewöhnlich von den Judenfeinden gebraucht wird, sondern ich meine die geistigen Produktionen jüdischer Denker auf dem Gebiete der Kultur, als Erscheinung im Werdegang menschlicher Wachseinsäußerungen, in ihrer tiefen Bedeutung als revolutionäre, periodische Kundgebungen des neurotischen Zustandes der Menschheit, Als solche möchte ich ganz besonders die EinstenTsche Relativitätstheorie werten.) Das Wesen des jüdischen Volkes ist in seiner wahren Erscheinung ein solch einzigartiges und einmaliges, daß ihm die gemeinsame Basis des Vergleiches und der Gegenüberstellung zu Anderen vollkommen fehlt. Verstünden wir Juden diese tiefgründige Einzigkeit und Einmaligkeit in ihrer Gänze und Tragweite, dann wäre die Frage unserer weiteren Existenz und Fortbestandes bei weitem nicht so kritisch, als sie es de facto ist. Wir wissen, daß allen Menschen ein Bedürfnis nach Ewigem, Absolutem innewohnt und die, jedem Menschen bewußt werdende Frage der Stellungnahme zum Sein, erheischt unerbittlich Antwort auf ihr Pochen und alle Menschen formen diese Antwort nach ihrer innersten Wesenhaftigkeit. Und das jüdische Volk antwortet mit seinem, ihm nicht zur Gänze be-