Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1929-03-01 · Heft 3-4 (März 1929) · p. Seite 168

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 3-4 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 168 (sequence 62)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2292929-2293065-2293067--10383-2303678
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

168 Änders und nicht anderst Schlage das Wesenhafte der ägyptischen Seele vor Äugen führt. Wenn wir dieses Anderssein einer Menschengemeinschaft zu erfassen suchen und seinem letzten Sinn nachgehen, mit sinnendem Ernst dieses Phänomen zu begreifen suchen, dann erkennen wir, daß dies an die letzten Fragen der Menschheit und des Seins überhaupt anrührt. Diese, jenseits der biologischen und sozialpolitischen Verhältnisse liegende überrassenhafte differenzierte Wesenhaftigkeit der Menschen führt zur Erkenntnis, daß diese ureigene Wesenhaftigkeit enge an die Schicksalsidee geknüpft ist. Das Schicksal des Einzelindividuurns und der Gesamtheit, als sein Verhältnis zum Sein, liegt auf der Linie der Wesenhaftigkeit. Jedes einzelne und jedes kollektive Ich nimmt Stellung zum Sein, antwortet auf die Frage aller Fragen seine ureigene wesenhaftige Antwort. Wenn wir Juden uns unseres Selbst bewußt wären, unserer Gemeinschaft die ihrer Schicksalsidee entsprechende Form geben wollen, müssen wir uns zuerst über unser Anderssein, über unsere bis ans ,,Ende der Tage“ reichende Wesenhaftigkeit klar sein. Das Bewußtsein unseres Andersseins hat in unseren Tagen praktische Erscheinungen gezeitigt, die assimilationsbedürftige Masse, der durch die Emanzipation die Tür ins Gebiet der Änderen geöffnet wurde, hat nach allen möglichen Bemühungen draußen festen Fuß zu fassen, das vergebliche Beginnen eingesehen und die hemmenden, hindernden Instinkte beider Teile haben die metaphysischen Wesensunterschiede mehr bewußt werden lassen. Und wenn wir uns die schon verloren gegangenen Teile des jüdischen Volkskörpers ansehen, ihr Verhältnis zur Umwelt zu deuten versuchen, dann können wir uns der Tatsache nicht verschließen, daß die Masse der uns entfremdeten Juden auch draußen nicht aufgehen konnte und tatsächlich ein seichter, zersetzender, minderwertiger Kaffeehausmob entstanden ist, für das der jüdische, oberflächliche, geistreichelnde Journalistentyp ein Beispiel kat’ exochen ist. Das Phänomen des An-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.