Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 165 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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Geistige Kämpfe um Lebensfragen usw. 165 von seiten des Richteramtes bei Behandlung israelitischer Verhältnisse in Anspruch genommen. In allen übrigen Fällen, insbesondere im Erbrecht aber nicht, wie überhaupt der israelit in allen staatlichen und bürgerlichen Verhältnissen den Landesgerichten sich zu unterwerfen hat. M. Rosenbaum: Soviel bekannt, werden in Ehescheidungsprozessen, bei Verlobungen und hinsichtlich des Vorrechtes der Ehefrau über ihr Eingebrachtes das mosaische Recht von seiten, des Staates in;Rücksicht genommen; ebenso Ä., S. B. B. und F. Guggenheimer nimmt eine solche Beobachtung nur hinsichtlich der zeremoniellen und rituellen Gegenstände der Israeliten in An- Spruch, daß man sie nicht daran hindere. Seligmann beantwortete diese Frage verneinend. Grünebaum wie A. und L. nach dem Grundsatz: ,,Königs- und Landesgesetz ist Gesetz.“ Schließlich sei noch bemerkt, daß die Distriktsrabbiner: Thalheimer-Marktsteft, Adler-Burgpreppach, Weinkopf-Wal׳- lenstein, Wechsler-Schwabach, Buttenwieser-Wassertrüdingen, Gemzenhauser-Binswagen und Sänger-Buttenwiesen laut Vor- Stellung vom 14. Juli 1850 sich den Gutachten der Rabbiner Bamberger, Adler und Feuchtwang anschlossen. Ein bedeutungsvolles Kapitel für die innere Geschichte des Judentums im vergangenen Jahrhundert liegt hier in Frage und Antwort abgeschlossen vor uns. Jüdische Lebensfragen und Probleme der Weltanschauung werden vor uns aufgerollt. Und immer tiefer wird der unüberbrückbare Gegensatz der Anschauungen, der allzu schnell zum verhängnisvollen Bruch innerhalb der jüdischen Gemeinde führen sollte. Die Einheit des Judentums, das kostbare Erbe des jüdisehen Mittelalters ging verloren, und eine neue Zeit brach an, deren Tendenz dahin ging, an Stelle des gottoffenbarten Gottesgesetzes das Produkt des eigenen schöpferischen Volksgeistes zu setzen, das der Entwicklung der Zeiten und Menschen sich zu unterwerfen habe. Die äußere Freiheit haben wir damals gewonnen, aber die innere Einheit und Geschlossenheit verloren.