Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 157 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Geistige Kämpfe um Lebensfragen usw. 157 An die Frage der Lehrerqualifikation schloß sich die der Rabbiner naturgemäß an. 19. ״Welche Anforderungen sind an einen Rabbiner zu stellen?“ Aub und Löwi verlangten Gymnasial- und Universitätsbildung neben der theologischen Ausbildung in Bibel und Talmud an der Studienanstalt. An der Universität soll der Kandidat die ganze mosaisch-talmudisch-rabbinische Wissenschaft zur Vollendung seiner Ausbildung studieren. Zu seinen amtlichen Obliegenheiten gehört 1.) Predigt und Sabbatunterrieht an die erwachsene Jugend sowie Konfirmanden-Unterrieht für Knaben und Mädchen, 2.) die Leitung des öffentliehen Gottesdienstes, die Konfirmation, die Vornahme der Trauungen und Ehescheidungen und die Chaliza. 3.) Die Seelsorge und Entscheidung der rituellen Fragen, die Leichen zu bestatten und dabei zu beten und dabei auf Verlangen Standreden zu halten. 4.) Die Aufsicht über den Religionsunterrieht und die Kultusanstalten und Kultusbeamten sowie die Mitwirkung an der Kirchenverwaltung und Armenpflege. Von selbst versteht sich, daß der Rabbiner religiös und sittlich sehr gut beleumundet sein muß. Nach obigen Anforderungen erscheint es notwendig,'daß an einem bayerischen Schullehrerseminar ein wissenschaftlich gebildeter Rabbiner als Lehrer der mosaischen Religion für die jüdischen Zöglinge sowie an der Universität München ein Lehrer der jüdischen Theologie angestellt werde. M. Rosenbaum forderte von dem Rabbiner vor allem einen ausgezeichneten makellosen Wandel, strenge Rechtgläubigkeit, treulichste Befolgung der bestehenden Religionsgesetze, vieljähriges ununterbrochenes Studium, ausgezeichnete Fassungskraft, gründliche Kenntnis der jüdisehen Literatur, der Bibel, des Talmud, der älteren Casuisten und mindestens der drei Codices des Schulchan Aruch: Orach Chajim, Joreh Deah und Ewen Eser. Auf Gymnasial- und Universitätsbildung legt Rosenbaum keinen Wert, da hierdurch wohl Gelehrte, aber nichts weniger als Rabbiner herangebildet 4