Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 134 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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134 Die göttlichen Attribute her die Formulierung: ׳״גדול שמך בגבורה״ groß ist dein Name durch die Stärke“ (Jeremia 10,6). Und umgekehrt setzt Gewurah als Tatvollstreckung, — die Freiheit der Macht, Gedulah, voraus, wodurch die Bemerkung von Tosefoth (Taanith 2 a), daß in Gewurah zugleich Gedulah und ׳כח Größe und Kraft, enthalten seien, erst richtig verständlich wird. So bietet denn das Moment der Tat Vollstreckung für die Begriffsbe- Stimmung des Attributes Gewurah einen ersten Anhaltspunkt. 2. Wenn nun auch mit dieser Feststellung noch nichts über die spezielle Art ausgesagt ist, wie sich die Tatvoll- Streckung auswirkt, so läßt sich dennoch zunächst rein begrifflich — aus der inneren Beziehung von Gewurah auf Gedulah eine bestimmte Norm entnehmen. Ist nämlich unter Gedulah die Freiheit über das Gesetzmäßige verstanden, so muß sich Gewurah eben darin äußern, daß diese Freiheit durch Ueberwindung des Gesetzmäßigen zur Aktualität erhoben und dadurch kundgetan wird. Da nun jene Freiheit, die Gottes Größe bezeugt, sich sowohl auf das Reich der Natur wie auf das Reich der Sittlichkeit erstreckt, so wird auch folgerichtig die göttliche Stärke in beiden Reichen als Ueber- Windung der starren Gesetzlichkeit zu suchen sein. Tatsächlieh bestätigt ein Ueberblick über die Stellen, in denen das Attribut Gewurah Anwendung findet, diese Auffasung vollauf. Wie sich zunächst in der Natur die göttliche Gewurah auswirkt, ist in prägnanter Kürze im zweiten Segensspruch des Schmone-Esre-Gebetes, auch גבורות genannt, gekennzeichnet. Nach Talmud Berachot 33 a wird in diesem Segensspruch auch das Niederfailen des Regens erwähnt, weil sich die göttliche Stärke hierin in eben so hohem Maße zeigt, wie in der — gleichfalls in diesem Segensspruch zu erwähnenden — Wiederbelebung der Toten. Die Religionsphilosophen Jehuda Halevi und Josef Albo sprechen sich über die allgemeine Bedeutung dieses Segensspruches in fast ganz übereinstimmender Weise aus. Der erste schreibt (Kusari III, 17): ״Bei dem zweiten Segensspruch bringe man sich zum Bewußtsein, daß Gott fortdauernde Herrschaft über diese Welt