Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 131 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Ärchitektur der Synagoge 131 meinde nicht Massencharakter, Heerdenform, sondern war, wie es der jüdischen Differenziertheit entspricht, voll Mannigfaltigkeit und Freiheit. Dieses Bild spricht daher viel kraftvoller von dem reichen Individualleben in Israel, das sich dennoch harmonisch um die Thora gruppiert. Sehr bezeichnend ist in solchem Zusammenhänge die Vorschrift, daß die ״Aeltesten“, die Rabbiner und Führer, mit dem Angesicht zur Gemeinde, mit dem Rücken zur Lade sitzen sollen. Um zu solchem Range empor zu steigen, mußten die Sekenim all ihr Sinnen und Trachten in die Lehre versenken; nun sie die Krone der Thora tragen, soll ihr Sinn auf die Gemeinde sich richten, wie sie für diese ihr Wissen nutzbar machen, wie sie diese belehren und zu ihrer eigenen Höhe emporziehen können. Der Talmud nennt das ״ אימת הצבורUnterschätze die ängstliche Rücksicht auf die Gemeinde nicht, denn siehe, auch die Priester wenden segnend das Angesicht zu ihr und den Rücken der Schechina!“ Die betende Gemeinde ist mit ihrem ״Abgesandten“, dem Vorbeter, durchaus eine Einheit; er hat mit ihr im gleichen Raum, in gleicher Ebene, in gleicher Richtung zu stehen. Aber alle schauen wiederum notwendig beim Blick zum Heiligtum auf ihre Sekenim. Nicht anders als durch deren Vermittlung gelangen sie zur Offenbarung. So gilt auch in der Anordnung der Sitze eine tiefe Symbolik, wie in allen Teilen der Synagoge, die überall das Wesen und die Eigenart und die Gliederung unseres Volkes zum Ausdruck zu bringen hat. Die Synagoge ist durch und durch Symbol. Dieselben Weisen des Talmud, die unser Gebet schufen, haben auch die Sprache der synagogalen Symbolik zugleich mitbegründet und festgelegt. Wie das Gebet eine eigentliche Wandlung nicht erfahren hat und erfahren kann, ebensowenig die entscheidenden Grundzüge in der Form unserer Gebetsstätten. (Fortsetzung folgt.)