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Jeschurun · 1929-03-01 · Heft 3-4 (März 1929) · p. Seite 130

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 3-4 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 130 (sequence 24)
Language
German
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130 Die Architektur der Synagoge Eine letzte kurze Betrachtung gelte noch der Anordnung der Sitze im Gotteshause. Zwei große Traditionen gehen darüber durch die jüdische Geschichte; sie orientieren sich entweder nach der Bima — die sephardische Anordnung — oder nach dem Oraun — die aschkenasische Anordnung. Es ist merkwürdig, daß Rambam und Schulchan Aruch, obwohl beide aus der sephardischen Welt er״׳ wachsen, der bei uns üblichen Regel den maßgeblichen Charakter zusprechen. In allen frühdeutschen Synagogen, die wir aus dem Mittelalter kennen, ist ebenso auffällig die sephardische Sitzweise allein herrschend. Die früher besprochene Antinomie von Almemor und Duchan tritt hier wieder auf; ihre Entscheidung fiel aber wohl zugunsten praktischer Erwägung. Unsere Alten hatten keine Bücher; das Gebet kannten die meisten auswendig, da war man nicht besorgt, dem Vorbeter nicht folgen zu können. Um so ängstlicher aber waren sie, bei der Vorlesung der Thora und dem Vortrag des Rabbi etwas zu überhören; ■hier wollten sie dem Baal-Kore zugewandt sein; hier an den Lippen des Thoralehrers hängen, wenn er das Schriftwort öffentlich deutete. Das Interesse, der Bima zugewandt zu sein, überwog daher. Heutzutage, wo die Kanzel zum Duchan hin verlegt ist, kam die Vorschrift des Gesetzes ausschließlich zur Geltung; Die Sitze sind nach Osten gewendet. Schon bei früherer Gelegenheit wurde darauf hingewiesen, daß dies zum schweren Schaden der Thoravorlesung geschah, die dadurch viel an Wucht und Kraft eingebüßt hat. Es wäre eine ideale Lösung so vorstellbar, daß die Ständer um einen rechten Winkel gedreht werden und für Gebet und Thoravorlesung verschieden einstehen könnten. In alten Synagogen war wohl aus diesem Grunde eine Vorliebe für leicht bewegliche Ständer statt langer Sitzreihen. Fraglos hatten die herrlichen Synagogen des Mittelaiters durch ihre Anordnung der Gemeinde um den Almemor herum ihr spezielles Gepräge, die Synagoge war ״Schul“, Lehrhaus. Die Sitze hatten nichts Schematisches, die Ge-

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