Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 128 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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128 Die Architektur der Sgnagoge wie in den jüdischen Kolonien in Erez Isroel, wie die Sgnagogenruinen Galiläas es bestätigen, die Gotteshäuser auf Hügeln und erhabenen Plätzen; daher soll das Haus des Gebetes als solches über alle Gehöfte ringsum emporragen. Einheitlich sollen für alle die Zugänge zur Sgnagoge dem Oraun gegenüberliegen. Alle sollen wir uns als lagernd vor dem Gotteszelt fühlen, bereit zum Eintritt. Nicht erst mit einer Wendung von unserem Sein ab zu Gott hin, sondern in gerader Richtung auf das Gesetz Gottes forme sich das Leben jedes Einzelnen. Die Sgnagoge deute aber durch Fenster an allen Wänden an, daß sie nach außen hinausstrahlen, nach keiner Richtung des Lebens ohne Einfluß und Wirkung bleiben wolle, daß aber auch alles Licht des Draußen in sie hineinfluten müsse, um ihren Gehalt und ihre Kraft zu verdeutlichen und zu befruchten. Besonders gilt dieses Hinüber und Herüber, dieser Austausch der Kräfte für die Seite, an der der Thoraschrein die Quelle alles jüdischen Seins birgt. Hier weist das geöffnete Fenster auch nach dem heiligen Lande, als läge es vor uns in greifbarer Nähe, als wenn ein Hauch seiner geweihten Atmosphäre in unser Gotteshaus dringt. Die Fenster auf und Zukunftsluft und Zionslicht herein! Die Zwölfzahl der Fenster gemahnt endlich an die weite Welt des zerstreuten Israels, seine Stämme alle, mit denen im Geiste vereint unser Gebet empor steigt und ein Einheitsband um alle Kinder Jakobs schlingt. Und zuletzt die wunderbare Bestimmung, daß der ganze Raum für die Beter ein Ausdruck der Demut, der ״Tiefen*״ sei. Niemals ziemt ein Gebet von erhöhtem Standort. Wenn die Seele im Gebet zu Gott sich emporschwingt, wenn die Gemeinde sich in ihrer Idealität sich darstellt, da wird sie sich um so mehr ihrer Bedürftigkeit und Niedrigkeit bewußt, und je mehr sie ihren tiefen Abstand von der Höhe ihrer Be- Stimmung sich deutlich macht, um so näher kommt sie ihrem himmlischen Vater. Der Talmud knüpft diese Vorschrift (Ber. 10 b) bekanntlich an das Wallfahrerlied an. Bevor diese die