Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1929-03-01 · Heft 3-4 (März 1929) · p. Seite 127

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 3-4 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 127 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2292929-2293065-2293067--10342-2303637
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Ärchitektur der Synagoge 127 in der Neuzeit begann, Prachttempel mit anspruchsvoll großartiger Äußenarchitektur in Nachahmung fremder Äuffassungen zu bauen! Wie wenig ist man dem Geiste schlichter Einfachheit und innerer Größe unseres Märtyrervolkes gerecht geworden, als mar! die neue Freiheit der Emanzipation mißbrauchte, um sich durch die Auffälligkeit luxuriösen Prunkes im Synagogenbau als ,,gleichberechtigt“ zu dokumentieren! Welche Verirrung des Geschmacks, wenn ״die alte Mutter sich den Plunder der Tochter umwirft“, wenn wir vor jüdischen Gotteshäusern stehend zweifeln müssen, ob wir eine Kirche oder Synagoge vor uns haben! Man stelle sich einmal die alte und neue Synagoge in Breslau, die Heidereuthergasse und den Bau in der Fasanenstraße gegenüber — ganz zu schweigen von einer Synagoge wie der in Budweis, einer Kirche in optima forma — und frage sich aufrichtig, für welche unser Gefühl, unser jüdisches Herz sich entscheidet, wo unser Inneres ansprich t und von Empfindungen der Ehrfurcht und Weihe mehr ergriffen ist, dann wird jeder Unbefangene den höheren Takt und das echtere Kunstverständnis unserer Ähnen anerkennen müssen. Türme und Dachreiter sind unserer Synagoge fremd. Auch solche auf anderen Gebäuden zählen garnicht für die Bernessung der Höhe. Selbst wo wir Juden in eigner Umgebung das Gotteshaus als das höchste der Häuser kennzeichnen können, kommen Türme und Zinnen sonst nicht in Betracht. Die Synagoge soll nicht nur in die Höhe weisen, sondern selbst hochgebaut sein. Nicht die Religion zeigt dem Leben einen Weg in die Höhe, sie hebt das Leben selbst empor, sie ist Verkörperung erhöhten Daseins. Sie läßt nicht das Leben, wie und wo es ist, und zeigt nur die Linie, auf der der Mensch einen Hinweis auf das Unendliche findet, sondern sie ergreift alles Irdische und trägt es in höhere Sphären. Das Leben in der Thora liegt auf anderem Niveau, auf höherer Ebene wie das gemeine Erdendasein und fuhrt zu höheren Stufen und Gestaltungen, als alle Kulturentwicklung sonst. Daher baut man, wo die Umstände und Oertlichkeit es gestatten,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.