Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 121 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Architektur der Synagoge 121 schließt: wenn schon eine Menschheit, die aller Leidenschaft ledig, sich nach Geschlechtern trennt, um wieviel mehr unsere immer mit ihrem Triebleben ringende und kämpfende Gegenwart. Um sogleich an diese letzten Worte anzuknüpfen: Die Trennung bleibt bestehen, selbst wenn eine Gefahr für die Reinheit der Phantasie, wenn eine Regung der Unkeuschheit nicht in Betracht kommt. Äuch eine über alle Sünde emporgeläuterte, erlöste Welt, tritt nach den Geschlechtern geordnet am jüngsten Tage zum Gebet zusammen. Was wird aber dann die Scheidung noch für einen Zweck und Sinn haben? Keinen anderen, als daß wir vor Gott so in unserem Sein und dem damit verbundenen Äufgabenkreis erscheinen, wie wir wirklich sind. Die Frauen treten als Frauenwelt vor Gott, ihre eigene Bestimmung, ihre auf ihrer Natur sich gründende besondere sittliche Wertigkeit bejahend, so gut wie die Männerwelt ihre anderswertige, auch nur ihrem Naturwesen überbaute Lebensaufgabe mit ihrem gesonderten Erscheinen vor dem Angesicht Gottes bekennt. Weil wir in der Naturordnung zugleich die Grundlage einer religiosen und sittlichen Ordnung anerkennen und freudig bejahen, verbleiben wir an heiliger Stätte in dieser naturgegebenen Scheidung. Der einfache Wortsinn jener Stelle aus dem Propheten Secharja spricht für diese Auffassung. Sie sagt: Es trauern alle Familien, die Davidsfamilie und die priesterliche für sich, sie und ihre Frauen für sich. Jeder Kreis in seiner Besonderheit hat Anlaß zu Trauer und Gebet, jeder fühlt grade aus seiner Lage heraus den Ernst und die Herbheit des messianisehen Endkampfes, und so haben die Männer und Frauen jeder Gruppe ihr eigenes Empfinden zum Ausdruck zu bringen, weil gerade sie sich in ihrer Eigenart jedesmal als besonders getroffen und schmerzgebeugt fühlen. Wie aber dieses letzte tränenüberströmte Flehen der jüdischen Endgemeinde vor der Erlösungsstunde jeden Kreis sich in seiner Besonderheit emp-