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Jeschurun · 1929-03-01 · Heft 3-4 (März 1929) · p. Seite 119

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 3-4 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 119 (sequence 13)
Language
German
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Die Ärchitektur der Synagoge 119 Um so mehr sind wir aber verpflichtet, den ״Tempel der Moderne“ als eine dem Judentum konträre Symbolform abzulehnen. Die Synagoge ist architektonisch keine Kirche, ist auch baulich ein wesentlich anderes Gebilde als der Tempel auf Morija. Sie besitzt Eigengesetzlichkeit, einen originalen inneren Sinn. Sie stellt architektonisch ein Sonderproblem dar, als ein Bau sui generis. Das darf nicht verkannt werden. Der Chassam Safer leitet die Bestimmung für die Auf- Stellung des Älmemors aus dem Talmud Sukka 51 b ab, wo gesagt wird, daß die Bima aus Holz, von der der König die Thora verlas, in der Mitte der Vorhalle des Tempels stand. Das Responsenwcrk Mechoioth Machanajim schreibt geradezu: ,,Die Vorschrift, die Bima in die Mitte der Synagoge zu legen, ist so grundlegend, daß rast die ganze Thora sich darauf aufbaut, und wer sie aus der Mitte fort nimmt, stößt Grund- Prinzipien der Thora um. Ein direktes Thora verbot schützt den Almemor vor seiner Entfernung, abgesehen davon, daß man, wenn es um der Ängleichung an andere Kultstätten geschieht, das Verbot Übertritt, nicht fremden religiösen Sitten zu folgen.“ (Nach מערכת בית הכנסת שדה המד)» Es ist an der Zeit, die Symbolik des jüdischen Gotteshauses in aller Deutlichkeit herauszustellen und unserer Gegenwart ins Bewußtsein zu rufen. Die Irrungen und Wirrungen unserer assimilatorischen Epoche sind nirgends so offenkundig, so würdelos, als im Synagogenbau der Jetztzeit. Die Kirche ist ihrem Wesen nach reiner Längsbau, sie bringt voll und ganz den Grundgedanken zum Ausdruck: Der Mensch empfängt das Heil als reine Gnade, durch die Diener der Kirche als Gnadenmittler. Die Synagoge als jüdische Stiftung kann unmöglich diesem Gedankensymbol sich anpassen, wenn sie sich nicht völlig selbst verleugnen will.

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