Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 117 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Architektur der Synagoge 117 zwei Embleme der Synagoge ihr wesentlichstes Merkm a L4) Ja, man kann noch einen Schritt weiter gehen. Wenn man die Frage aufwirft: welchem von beiden Symbolen gebuhrt der größere Nachdruck, so fällt die Entscheidung für den Almemor.5) Alle die berühmten Synagogen des Mittelalters zeigen gleicherweise das Uebergewicht des Älmemors, in einem Maße, daß man beim ersten Anblicke den Duchan kaum bemerkt. Wenn die beiden Abschnitte der Synagoge Ideal und Verwirklichung zum Ausdruck bringen, so ist diese Betonung der Bima ein Zeichen des stolzen Gefühls, daß Israel nicht nur der Bestimmung nach, sondern in weitgehender realer Verkörperung das Reich von Priestern und ein heilig Volk geworden ist, daß, was einst und stets göttlich heterenomes Gesetz war, zum autonomen Willensausdruck unserer Gesamtheit geworden ist. ״Nehmt die Gottheit auf in euren Willen, Und sie steigt von ihrem Weltenthron“, sagt Schiller bezeichnend für das Verhältnis von Heteronomie und Autonomie; die Symbolik der Synagoge sagt noch mehr; die Aufnahme des Gesetzes in unseren Kreis hebt uns selbst zur Ewigkeit empor. Aus solchen Gedankengängen heraus sind die Älmemorkonstruktionen wie die in der Wilnaer ״Stadtschul“, wo er bis zur Decke hinaufragt, als eine großartige Versinnbildlichung des Am Kodausch zu verstehen. Die Kirche ging vom Stil der Synagoge aus. Die uns erhaltenen ältesten Basiliken Italiens, ebenso wie die Hagia Sophia als die mächtige Erinnerung der byzantinischen Kultur 4) In ähnlicher Korrespondenz stehen der innere und äußere Altar jdes Beth Hamikdosch. 5) ״Noch um 1400 nennt Rabbi Weil (!) das Bima und nicht etwa den Aron עלטאר Altar und charakterisiert es so ganz eindeutig als Mittelpunkt des jüdischen Gottesdienstes.“ (Krautheimer S. 96.).