Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 116 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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116 Die Architektur der Synagoge dieser Umbau bis zur Decke emporstrebt und seine Verbundenheit mit der Ueberwelt zur Schau trägt, nach allen vier Seiten zur Gemeinde. Diese gewinnt dadurch ihre Kraft und Bedeutung zurück, die der Oraun zu vernichten drohte; denn sie kann nicht als nebensächlich, als untergeordnet betrachtet werden, da dieser Zentralpunkt ihr gehört und sie mit zu seiner Wucht und Betontheit emporhebt, mit ihr zu Einheit verschmilzt. Sie kann nicht zu bloß passiver, rein empfangender Rolle verurteilt sein, wenn der Mittelpunkt des Gesamtraumes ihr eigen ist, eine bis in die Unendlichkeit emporstrebende, selbständige Schöpfung darstellt. Sogar rücklings oder seitlieh mag der größte Teil der Gemeinde zur erhöhten Stätte des Oraun sitzen, wenn er nur dem zentralen Kultraum zugekehrt oder in Anlehnung, ״im Schatten“ seiner Würde seinen Platz nimmt. Hier liegt das architektonische Problem der Synagoge, ihr doppeltes Gesicht, ihr einzigartiger Charakter. Sie ist Längs- und Zentralbau zugleich; zwei widersprechende Forderungen kämpfen in ihr um die Verwirklichung. Es ist ein dauernder Wettstreit zwischen Oraun und Älmemor. Die Synthese beider Charaktere ist die eigentliche Aufgabe; ideale Welt und Ueberwelt, heilige Gemeinde und Gott, Ratio und Mystik, Immanenz und Transzendenz zu vereinen. Es träfe auch nicht der Kern der Sache zu sagen: die Synagoge ist gleichzeitig Sakral- und Profanbau, denn der Älmemor weist selbst den ״Raum der Versammlung“ über sich hinaus ins Heilige, nur daß dieses Heilige nun aus der Gemeinde herauswächst, während es in der Stätte der Lade vor und über ihr, fern von ihr bleibt. Gerade das aber ist das Kennzeichnende der Synagoge, daß das Heilige nicht in ihr transzendent bleiben darf, daß es sein Korrelat im Innern des Hauses finden muß. כעיר שחוברה לה יחדיו möchte man darauf in Anlehnung an Talmud Taanith 5 b sagen: wie das irdische und himmlische Jerusalem auf einander gewiesen, mit einander verwachsen sind, so ist die Korrespondenz der