Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 112 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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112 Die Ärchitektur der Synagoge sagt wohl sprichwörtlich: im Krieg schweigen die Musen, den vitalen Forderungen gegenüber tritt alle Kunst in den Hintergrund. Da es keine Periode im Judentum gab, in der nicht lebenswichtigere Interessen auf dem Spiele standen, konnten bei uns ästhetische Gesichtspunkte niemals ein hohes Recht beanspruchen.2) Es war auch das Gefühl maßgebend, daß im Golus zu große Prachtentfaltung unangebracht wäre, daß alles den Charakter des Provisorischen tragen müsse zum Zeichen, daß wir unterwegs und nicht in der Heimat sind. Ja, man fand sogar es als ein typisches Erkennungsmerkmal des Judentums, daß ihm das Innere wichtiger ist wie das Äeußere, daß die seelische Kraft zu höherer Aktivität sich steigert, wenn keine äußere Ablenkung die Sinne gefangen nimmt, wenn keine ungewollt erweckte Stimmung das bewußte Sich-in-Andachtversetzen, die Kawwono als gewollten Akt überflüssig macht. Alle diese Momente zusammengenommen werden immer gelten und sollen auch nie vergessen werden. Wenn man dennoch heute die künstlerische Seite mehr betont, so ist es nicht ein Zeichen der Erstarkung des Judentums, sondern bittere Notwendigkeit gegenüber unserem Gegenwartsgeschlecht, das der äußeren Mittel der Andachterweckung nicht entraten kann. Es gilt auch hier der Satz des Talmud: Solang wir uns liebten, hatten wir auf der Schärfe eines Messers Platz, da wir uns fremd sind, können die Himmel der Himmel uns nicht Raum genug gewähren. Die Gott-Innigkeit bedarf der Kunst nicht, der Gott-Entfremdung ist sie zwar eine Krücke, aber immerhin ein Flügel, der den Schwung der Seele möglieh macht. 2) Es ist sogar nach jüdischem Recht sehr fraglich, ob eine Gemeinde Beiträge zu einer Verschönerung der Synagoge zwangsweise erheben kann. :,עיין ערוך השולחן הלכות ביה״כ ס, ק״נ ס״ק א בשביל יפוי בעלמא ב״ל דאין יכולין לכוף זא״ז♦