Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 111 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Architektur der Synagoge 111 wirklicht und durchgeführt, welches waren die architektonisehen Mittel, der Synagoge Form und Gestalt zu geben? Nur ganz wenige Worte seien vorausgeschickt, um auch die Frage der Haltung des Judentums gegenüber der Kunst ins rechte Licht zu setzen. Die Gründe, weshalb das Judentum des Galuth keine große Kunstentwicklung, keinen großen Anteil an der künstlerischen Kultur der Menschheit hat, sind mannigfache: Es ist jedenfalls nicht eine grundsätzliche Kunstfeindlichkeit. Es hat gewiß Epochen gegeben, in denen man jeder Kunstübung gegenüber sich skeptisch, wenn nicht gar feindlieh verhielt, aber das darf gewiß nicht verwundern. Wenn die geistigen Führer des Judentums in einem Blick auf die Umwelt sahen, wie die künstlerische Ausgestaltung der Religion überall nahe an Götzendienst grenzte, wie die Geistigkeit Gottes mehr und mehr einer plumpen Vermenschlichung Platz machte, dann kann man wohl eine Stimmung, ja eine Verpflichtung zur Ablehnung verstehen. Aber nicht weil das Judentum kunstfeindlich war, sondern weil die Kunst religionsfeindlich war, deshalb erstarkte notwendig die Abneigung der jüdischen Frommen gegenüber der bildenden Kunst. Der Hauptgrund für den Mangel an großen künstlerischen Erzeugnissen liegt jedoch ganz einfach in der Armut der Juden. Die Kunst ist ein Kind des Wohlstandes und Wohlbehagens. Not macht erfinderisch, aber nicht künstlerisch. So oft der Druck der Zeiten abnahm und etwas Licht in die jüdische Gasse kam, zeigte sich die erhöhte Lebensstimmung zugleich in erhöhter Pflege der Schönheit. Es soll allerdings nicht geleugnet werden, daß wohl auch von innen heraus eine gewisse Zurückhaltung die Juden beherrschte, einmal weil für den Juden das Bessere der Feind des Guten ist, weil es noch wichtigere Dinge gibt, für die man sein Geld verwenden kann, als für die Kunst. Ethische Werte, sittliche Schönheit rangiert nun einmal im Judentum höher, Geistespflege gilt uns mehr als äußere Form. Man