Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 110 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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110 Die Architektur der Synagoge säule Booz, wie in der schiefen Beleuchtung des Wesens der Synagoge.1) Wir möchten uns nicht in einer polemischen Darstellung mit Krautheimer auseinandersetzen. Vielmehr erscheint es uns als das Gegebene, eine positive Darstellung über die Ärchitektur der Synagogen von unserem Standpunkt aus zu geben. Wir wollen zunächst rein theoretisch die Frage behandeln, wie eine Synagoge nach den Vorschriften der mündlichen Lehre beschaffen sein muß, um dann in einem zweiten Teil uns die Frage zu stellen: in welcher Weise hat man im Laufe der geschichtlichen Epochen diese Forderungen praktisch ver׳- x) Kritiklos stellt sich Krautheimer auf den Boden Wellhausen,scher Bibelhypothesen. Das Älter aller mündlichen Lehren des Judentums verkennt er völlig. Ein Gesetz stammt ihm aus der Zeit seiner Kondifikation, eine talmudische Lehre ist neu mit ihrem Tradenten. — Der jüdische König, behauptet er, ״durfte bestimmt das Heilige betreten“, Salomo opfert nur ausnahmsweise an dem großen Ältar im Vorhofe. Die ganze Geschichte des für sein Eindringen ins Heiligtum bestraften Königs Usia ist ihm fremd. — Die Trennung *wischen Priesterschaft und Laien gehe erst auf Esra zurück. — Daß viele der Psalmen erst makkabäisch seien, wird als selbstverständlich angenommen und daraus der Schluß gezogen, — da der 74. Psalm von der Zerstörung aller Gotteshäuser im Lande spricht — daß erst im makkabäischen Palästina Synagogen nachweisbar wären. Selbstverständlich ist gerade dieser Satz ein Beweis, daß in viel älterer Zeit bereits neben dem Tempel Synagogen bestanden. — Es wird der Satz: ״Wo zwei oder drei zusammen sind in meinem Namen, da bin ich unter ihnen“; als ein Satz des neuen Testaments angesprochen, obwohl es nur das Wort der Sprüche der Väter, ja sogar nur ein Wort aus depi Exodus ist. — Wer schreiben kann: ״Die geistige Potenz eines Maimonides, eines Meir Rothenburg, eines Raschi fragt nicht nach der lokalen Entfernung“, zeigt in der Änordnung der drei Namen schon eine völlige Unkenntnis der jüdischen Geschichte. Ebenso ist es falsch, zu behaupten, das 16. Jahrhundert lockere die Bindüngen durch Autoritäten; sie würden nur noch dumpf gefühlt, nicht mehr klar aufrecht erhalten. Nie war die *Achtung vor den Poskim größer als im Beginn der neuen Zeit. — So wimmelt das Buch von schiefen Urteilen und Änschauungen über Eigenart und Geschichte des Judentums.