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Jeschurun · 1929-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1929) · p. Seite 107

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 107 (sequence 109)
Language
German
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Bücherbesprechungen 107 Um so mehr sollten die jüdischen Gelehrten, die mit herangezogen sind, allerdings in sehr geringem Maße, auf peinlichste Objektivität bedacht sein. Im Ärtikel ״Entsündigung“ (Sp. 173 f.) heißt es bei der Schilderung des ״Kappores-Schlagens“ vor dem Versöhnungstage (dem Brauche, einen Hahn um den Kopf zu drehen und dabei zu sprechen: der sei an meiner Statt, er gehe zum Tode und ich zum Leben): ״Obgleich ein religionsgesetzliches Werk von der Autorität des Schulchan Äruch sich entschieden gegen diesen Brauch wandte und ihn als ״sinnlos“ bezeichnete“. Davon, von der ״Sinnlosigkeit“, steht kein Wort an der angegebenen Quelle (Orach Chajim § 605,1), .sondern: ״wenn es üblich ist, am Erew Jomkippur ״Kappores“ zu veranstalten und einen Hahn zu schachten für jede männliche Person und dabei Bibelverse zu sprechen, so ist diesem Brauch zu wehren“. Diese Ausführungen gehen bei R. Josef Caro in seinem ausführlichen Kommentar zum Tur auf die Bemerkung des R. Salomo ben Adereth zurück: ״Ich habe diesem Brauch gewehrt“. In des Letzteren Responsensammlung § 395 ist jener Brauch aber mit einer Reihe abergläubischer Bräuche verknüpft, daß man den Kopf des Hahnes abschneidet und ihn mit Knoblauch an die Türe hängt. In jenem Responsum, das an R. Jakob ben Machir gerichtet ist, beschäftigt er sich auch mit einer anderen halachischen Frage: Jenes Schlachten des Hahnes mache das Tier unbrauchbar, weil es den Anschein erwecke, als Schächte man es als Sühneopfer; eine solche Darbringung in heutiger Zeit, wo der Tempel nicht mehr existiert, ist verboten und hat die Folge, daß das Tier nicht gegessen werden darf. Uebrhaupt ist jene breite Darstellung des Kapporesschlagens in einem solchen Artikel, dem wie bei allen Gegenständen jüdisehen Inhalts ein überaus knapper Raum bewilligt wird, unangebracht. Freilich entschuldbar, wenn man bedenkt, daß bei der Behandlung des Versöhnungstages in der Herzog-Plintschen Realencgklopädie über die Feier des Jomkippur im heutigen Judentum nichts anderes gebracht wird, als eben die Geschichte von jenem Hahn; von der wunderbaren Erhebung aber, die diesen Tag 1m Judentum erfüllt, mit keinem Worte die Rede ist. Einige kurze Bemerkungen mögen folgen. Jm Artikel ״Entweihung“ fehlt völlig die Würdigung des Lehre und Leben im Judentum wie ein roter Faden durchziehenden Begriffes חלול השם* Nur am Schlüsse von ״Heilig“ V 3 ist mit zwei Zeilen seiner gedacht. — ״Ertüchtigung“ (Sp. 294 f.) ist gut auf die Gefahren der materialistischen Erfassung des Sports hingewiesen. — ״Eschatologie“, es fehlt im Literaturnachweis das neueste Werk von Lorenz Dürr, Ursprung und Ausbau der israelitischen jüdischen Heiland-

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