Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
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Die göttlichen Attribute 81 lichkeit, wie nicht minder im Reiche der Natur zu verstehen ist, so auch unter Chesed die innere Freiheit im Reiche der Sittlichkeit, wie auch im Reiche der Natur die Unabhängigkeit und daher die Beherrschung ihrer Gesetze. In diesem Kriterium der Freiheit ist nun auch das neue Moment zu erblicken, das für die Deutung des Attributes ,,Gedulah“ aus dem Vergleich mit Midath Chesed gewonnen wurde. Auf Gott bezogen bedeutet aber Freiheit nichts anderes, als unbeschränkte Allmacht. In diesem Sinne singt der Psalmist (Psalm 145, 3): ,,Groß ist Gott und sehr gerühmt, unbegrenzt ist seine Größe“. Tatsächlich hat die Kabbalah der Gruppe der zu Gedulah gehörenden Begriffe auch das Eigenschaftswort ro, das Kraftvolle, hinzugefügt. Denn die Voraussetzung der Freiheit ist die Macht. Aus demselben Grund hat sie darauf hingewiesen, daß, während der vierbuchstabige Gottesname dem ,,Midath harachamim“, dem Prinzip der Barmherzigkeit eignet, und der Name ״Elokim“ dem ,,Midath hadin“ dem Prinzip der Gerechtigkeit, der Gottesname ,,El“, der den Machtvollen bezeichnet, es sei, welcher dem ״Midath chesed“, dem Prinzip der Liebe, entspräche. Wo daher die göttliche Gedulah sich auch immer offenbart, ob in der Welt des Sittlichen oder des Naturhaften, ist sie stets durch כה, die Kraft charakterisiert, die den Din, die starre Gesetzlichkeit in Freiheit beherrscht. So zeigt sich in der Welt der Sittlichkeit die Größe Gottes darin, daß er die Forderung des Midath hadin, der Gerechtigkeit, zurücktreten läßt vor dem Midath chesed, der gnadenreichen Liebe, und die rechtmäßige Bestrafung der Sünder in seiner Langmut bis zum Schwinden der letzten Hoffnung auf Besserung hinausschiebt. Der Gedanke aber, daß in dieser Langmut, in diesem Ertragenkönnen gleichsam die Seelenkraft Gottes gelegen sei, wird zu dem Schriftvers: ,,Deine Rechte, o Herr, ist herrlich an Kraft“ (II. B. M. 15, 6) von der Mechilta z. St. mit Ausführlichkeit dargelegt. In gleicher Weise kommentieren auch übereinstimmend Ibn Esra und Redak das Prophetenwort: 6