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Jeschurun · 1929-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1929) · p. Seite 79

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 79 (sequence 81)
Language
German
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Die göttlichen Ättribute 79 Beeinflussung hervorgerufen und weder von Mitleid noch von Zuneigung geweckt ist. Sie ist auch ebensowenig affektvolles Bedürfnis, sondern am ehesten mit der huldreichen Liebe eines Königs zu vergleichen, der sie aus der Fülle seiner Macht spendet und nur aus der Freude an der Beglückung seiner Untertanen. Wesentliches Merkmal dieser Liebe ist, daß sie חסד חנם, freiwillig gewährt ist, ohne ursächliche Veranlassung, aus reiner Herzensgüte. Chesed ist daher im eigentlichen Sinne ein ״Gnaden“-geschenk. Wenn nun gesagt wird, Gott habe die Weit mit ״Chesed“ erbaut, so ist eben diese ״freiwillig“ gewährte Liebe gerneint, die, ohne sehnsüchtiges oder überquellendes Verlangen zu sein, schöpferisch wirkt und Wesen erschafft, die in gottesebenbildlicher Vollkommenheit glückselig sein sollen, ״selige Spiegel seiner Seligkeit“. Während nun in diesem Sinne ״Midath chesed“ als Prinzip der Liebe begriffen wird, bedeutet ״Midath hadin“ das Prinzip der Gerechtigkeit. Im Gegensatz zu jenem, das sich in vollkommen zwangloser Freiheit auswirkt, erscheint dieses als von vornherein festgelegt und in der Zielrichtung gebunden. Denn das Recht muß unaufhaltsam sein Ziel verfolgen, muß mit unerbittlicher Konsequenz gleichsam ״den Berg durchbohren“ und sein ״Maß um Maß“ fordern. Mit unausweichlicher Strenge muß die Gerechtigkeit darüber wachen, ja, mit Eifersucht, daß sich jede Schuld auf Erden rächt. Das Reich der Sittlichkeit ist durch eine eigene Kausalität von Schuld und Sühne beherrscht. Daher gilt der Umstand, daß der Lauf der Gerechtigkeit durch eine innere Gesetzlichkeit eindeutig vorgezeichnet ist, als charakteristisches Merkmal dieses Prinzips des Midath hadin. In der Gegenüberstellung der genannten Prinzipien vergrößert sich die Tragweite des Gegensatzpaares für die Kabbalah um ein Bedeutendes. Während nämlich Chesed und Din in ihrem primären Sinn als Midoth Eigenschaften Gottes anzeigen, die seine Verhaltungsweisen bestimmen, sowie in der Ethik die entsprechenden Funktionen in der Seele des Mensehen, werden sie nunmehr in rein begrifflicher Prägung in

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