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Jeschurun · 1929-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1929) · p. Seite 77

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 77 (sequence 79)
Language
German
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Die göttlichen Ättribute 77 dulah auch in Psalm 145 gezeichnet: וגדולתך אספרבה כד, huldreich, gütig, fürsorgend, liebevoll gegen alle seine Werke. Man gewinnt nunmehr durch diese Betrachtungsweise auch neue Perspektiven zur Beurteilung der bereits angeführten Sinndeutungen und Formulierungen. Denn wenn sich die göttliche Größe wesentlich in Güte und Liebe äußert, so mag jene talmudische Auslegung, von der diese Untersuchung ausging, nämlich לך ה׳ הגדולה זה מעשה בראשית״“ (Berachoth 58a) ebensowohl und noch umfassender dahin aufgefaßt werden, daß die Schöpfung ein Ausfluß der göttlichen Liebe war, in ähnlichem Sinn, wie der oben zitierte Midrasch, wonach die Schöpfung sich im Zeichen der obsiegenden Liebe vollzog. In der Tat erklärt auch Meharscho z. St. dementsprechend: גדולה״ ist die Eigenschaft der Liebe; aus dieser Eigenschaft entstand die Schöpfung, wie es heißt (Psalmen 89, 3): עולם חסד יבנה, aus Liebe ist die Welt erbaut.“ Aber auch in allen übrigen Stellen, in denen Gedulah als ein Hinweis erkannt worden war, sei es auf die Schöpfergröße Gottes, sei es auf seine überall hinreichende Fürsorge, wird die Liebe als das Grundmotiv nunmehr miteinbezogen werden müssen. Denn wie der Urgrund von העשה בראשית, der Schöpfung, הסד die Liebe war, so ist nicht minder auch die השגהה, die Fürsorge, eine Aus- Wirkung dieser ewigen Liebe: 1בדתן לחם לכל בשר בי לעולם חסדו״‘ (Psalmen 136, 25). Und wenn schließlich jener Midrasch von der Weltenschöpfung behauptete, Gott habe מדת הרדומים der Welt geschenkt und sich somit durch Liebe mit ihr verbunden, so stimmt dies wiederum mit der Feststellung überein, daß Gedulah die der Welt zugewandte Seite des göttlichen Wesens, oder, wie wir nun sagen können, die immanente Liebe bezeichnet. So daß man also von der göttlichen Liebe sagen kann: "הסד ה, מלאה הארץ“ (Psalmen 33, 5) sie erfülle die Erde, wie man ebenso zutreffend aussagen kann (im Schacharisgebet vom Schabbos): ״ ״גדלו וטובי מלא עולם״von seiner Größe und seiner Güte ist die Welt erfüllt“. Die neue Formulierung, die hiernach für Gedulah gegeben werden muß, hat nunmehr zu lauten: ״Gottes Größe ist die seinen geschaffenen Wesen liebend zugewendete Güte.

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