Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2293065-2293066--10282-2303576- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
70 Die göttlichen Ättribute die gleichen Gegensätze, wie Immanenz und Transzendenz, Für den menschlichen Verstand ist die Vereinigung solcher Gegensätze freilich undenkbar. Nur in der absoluten Einheit Gottes ist diese Einigung — uns das größte aller Wunder — bestehend. Wenn daher beim Äusheben der Thora diese göttliehe Einheit mit dem Schema Jisroel der Gemeinde laut ver״ kündet und das Wesen dieser Einheit gleich darauf erläutert wird, so ist es der Schriftvers aus Ps. 34, 14: גדלו לה'אתי ונרוממה שמו יחדיו, sprechet mit mir Gottes Größe aus, und laßt uns zusammen seinen Namen erhöhen“, durch den wir seine Einheit als die von גדולה und רוממות von Immanenz und Transzendenz begreifen.3) Höchst bezeichnend ist es aber für die jüdische Weltanschauung, daß als Gegensatz zu ״hoch“, nicht etwa ״tief“ figuriert, sondern ״groß“. Denn ״groß“ und ״hoch״ sind in logischem Sinn keine echten Gegensätze. Es sollte eben zum Ausdruck kommen, daß die wahre Größe Gottes in seiner Immanenz, in seiner Verbundenheit mit Welt und Menschen zu suchen sei und nicht in seiner metaphysischen Höhe und Weitabgewandtheit. Gott ist groß, nicht weil er über den Menschen thront, sondern weil er unter den Menschen selbst als Lenker ihrer Geschicke wirksam bleibt. Und mit dieser Begriffsformulierung ist nun bereits die Verbindung hergestellt zu der weiteren Bedeutung, die dem Attribut Ge״ dulah innewohnt. 2. Ausgehend von dem primären Sinn von גדול konnte festgestellt werden, wie der sachliche Inhalt dieser Aussage, sowie der Gegensatz zu רם darauf hinwiesen, daß die Größe Gottes durch seine immanente Wesensseite zum Ausdruck kommt. Freilich, nur ״zum Ausdruck kommt“. Denn die Größe Gottes ist nicht von der Welt abhängig und nicht durch unsere Wahrnehmung bedingt. Sie wird nur für den Menschen erst dadurch erkennbar, daß sie Gott offenbart. So sind auch alle übrigen Attribute sinnentsprechend zu deuten. Eine Tat־׳ 3) Die beim Äusheben der Thora zu sprechenden Verse, werden einschließlich des Schema Jisroel in Soferim 14. Halacha 11 gemeinsam genannt.