Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Ethische Vergleiche 53 das Selbstgefühl begründende Wort zu: ״Heil Dir Israel, wo wäre ein Volk, dem durch Gott geholfen wird, wie Du!?“ Die Thora ist es, die auch die übrige Welt, die Völker der Erde von der Auszeichnung Israels sprechen läßt, dem Gott derartig glückliche und weise Gesetze gegeben. Aber das Bewußtsein, daß alle Erfolge des Lebens, demgemäß auch Ehre und Geltung, der Ausfluß der Liebe und Güte Gottes sind, sorgt dafür, daß die Ehre nicht den Hochmut erzeugt, daß der Ehrtrieb ein gezügelter Trieb bleibt. Wenn wir am Ende unserer Ausführungen noch einmal kurz zusammenfassen wollen, so müssen wir feststellen, daß die Ethik der Griechen aus der einseitigen Kultur der Welt des Hieniedens erwächst, daß das Urchristentum unter Mißachtung des Hieniedens einzig das Himmelreich im Auge hat und auf dieser Anschauung seine Ethik aufbaut, die der Erde und ihrem Inhalte, der Kultur, abgewendet ist, daß das Judentum einen Ausgleich zwischen beiden extremen Anschauungen darstellt, daß es die natürlichen Triebe der Menschenseele im Hinblick auf das Jenseiis zügelt und veredelt und die ganze Kultur der Erde der Hoffnung auf das Jenseits dienstbar macht. Demzufolge können wir sagen, dem Judentum ist nichts Menschliches fremd, seine ethische Anschauung ist nicht einseitig, sie ist auch nicht gespalten und fällt nicht auseinander in Theorie und Praxis, seine Anschauung braucht das Leben nicht zu meiden und sich nicht in die Einsamkeit zurückziehen, sie wirkt sich aus im Leben selber und schafft dadurch aus dem irdischen Leben die Vorstufe zur Ewigkeit. Den obigen Satz verallgemeinernd, dürfen wir darum ganz gewiß am Ende unserer Betrachtung ausrufen: ״Heil Dir, Israel, wo wäre ein Volk, dem durch Gott geholfen wird, wie Du?“ dem die Gottheit eine Lehre gegeben hat, die in gleicher Weise die Erde und den Himmel anbaut, die Erde und Hirnmel miteinander verbindet, so daß das Wort des Festdichters gilt: ״Die Oberen jauchzten, die Unteren frohlockten, als Israel die Thora hinnahm, die geschrieben worden ist am Sinai.“