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Jeschurun · 1929-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1929) · p. Seite 50

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 50 (sequence 52)
Language
German
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50 Ethische Vergleiche hat, die Verfassung des jüdischen Staates nach der Thora eine Theokratie, d. h. Gott ist der Herrscher, der König sein Stell- Vertreter. Den Wert des Königs mißt die heilige Literatur, so vor allem die Psalmen, an seinem Eifer, mit dem er für die Gerechtigkeit eintritt, und dieser Eifer für die Gerechtigkeit begründet einzig und allein seine Macht. ,,Und die Macht des Königs besteht darin, daß er die Gerechtigkeit liebt,“ so sagt der Psalmist. Wir wissen, daß die Begründung des Königtums in Israel Gott und seinem Propheten Samuel mißfiel, aber doch nur deshalb, weil dieses Königtum mit der Begründung der Angleichung an das Beispiel der übrigen Völker gewünscht und weil die Befürchtung gehegt und in beredten Worten zum Ausdruck gebracht wurde, es möchte der König in Verkennung seiner wahren Aufgabe sein Augenmerk auf äußeren Glanz und prunkenden Hofstaat richten. Dem Gott wohlgefälligen König aber, — denken wir doch an David, Schelamoh, Josaphat, Chiskijah, Josijah—wenden sich die Herzen des Volkes begeistert zu und solchen Königen vor allem, aber nicht ihnen allein, gilt der Satz der Sprüche: ,,Fürchte Gott, mein Sohn, und den König; aber mit Aufrührern laß Dich nicht ein!“ Das Gebet für den König als den Regierer des Staates und Forderer des Wohles des Staates ist eine selbstverständliche Pflicht, selbstverständlich schon deshalb, weil der Staat dem Wohle und dem Nutzen des einzelnen dient. ,,Bete für das Wohl der Regierung! Denn wäre nicht die Furcht vor ihr, so würde einer den anderen lebendig verschlingen!“ Der Jude zeigt sich also vermöge seiner Religion am Staate interessiert, nicht nur in dem Sinne, daß er kein Unrecht tut; sondern der Staat ist ihm ans Herz gewachsen; allerdings nur dann, wenn sein Vertreter, wenn der König das Wohlgefallen Gottes verdient. In diesem Falle schlagen dem König und damit indirekt dem Staat die Herzen des Volkes entgegen, wie es im Psalm heißt: ״Dein Volk stellt sich Dir in Freiwilligkeit am Tage Deiner Waffenrüstung; vom Mutterschoß der Morgenröte an gehört Dir der Tau Deiner Jugend!“

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