Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2293065-2293066--10261-2303555- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ethische Vergleiche 49 bens ansieht; vielmehr hat das Judentum Gott und Ewigkeit auch bei der Kultur der Erde im Auge und dient nur der Kultur der Erde, die vor dem unbestechlichen Urteile des gerechten Gottes bestehen kann. Aber es ist überzeugt, daß ihm die Gottheit nicht die zur Kultur der Erde bestimmten Kräfte gegeben hätte, wenn es nicht von denselben Gebrauch machen sollte. Wir haben, wenn wir auch nur einigermaßen auf eine ausreichende Betrachtung Anspruch erheben wollen, noch zwei Punkte zu behandeln, die für unsere ethischen Vergleiche bedeutungsvoll sind. Wir müssen zunächst die Stellung der drei Vertretergruppen zum Staat erwägen, zu der erweiterten grösseren Familie, die im Leben des einzelnen und der Völker eine so bedeutsame Rolle spielt, und im Zusammenhang damit wäre noch ein Wort über die Stellung der drei Anschauungsgruppen zu dem Ehrtrieb zu sagen, der zumal im Leben der Gesamtheit, im Zusammenleben der Menschheit einer der glücklichsten Triebe genannt werden muß. Den Griechen erschien die Beteiligung an der Regierung des Staates als die höchste und wichtigste Betätigung des Mannes. Dem Christentum ist der Staat, der mit den Mitteln dieser Welt um weltliche Dinge kämpft, eigentlich etwas Gleichgültiges. Als passiver Bürger ist er im Staate musterhaft; er ist gehorsam, zahlt seine Steuern; er hält alle Gesetze, welche das Unrechtun verbieten; es kann aber kein rechtes Verhältnis zum Staate aufkommen. Dem Judentum kann der Staat nicht gleichgültig sein. Die jüdische Lehre stellt den Staat und sein Oberhaupt in den Dienst der Gerechtigkeit und Liebe, betrachtet den Staat als ein Werkzeug der göttlichen Vorsehung, da er Gott einen Teil der Aufgabe, für die Menschheit zu sorgen, abnimmt; die jüdische Lehre sieht in dem König schon nach seiner Wortableitung den Ratgeber des Volkes. Das Wort ״molach“ bedeutet im Syrischen im Niphal ״sich beraten“, melka ״Rat“, Sie erkennt den König direkt als den Stellvertreter Gottes an. Ist doch nach dem Ausdruck, den Flavius Josephus geprägt 4