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Jeschurun · 1929-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1929) · p. Seite 44

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 44 (sequence 46)
Language
German
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44 Ethische Vergleiche sündig, so wird sie doch allzu leicht der Seele gefährlich, indem sie an das Irdische kettet. Jeschu gebietet, jedes Glied, das Aergernis gibt, auszureißen und von sich zu tun. Demgemäß können auch die Mit״ tel zum Genuß, vor allem der Reichtum absolut keine Gnade vor der Anschauung des alten Christentums finden. Daher der Satz, daß eher ein Kamel durch ein Nadelöhr hindurchgeht, als daß ein Reicher in das Himmelreich käme. Daher das Klostergelübde der Armut; daher auch der ganz ebionitische Zug des Christentums in seinen Anfängen, die unbedingte Lobpreisung der Armut. Und dadurch wieder kommt in das alte Christentum, also in das Leben der Klöster, ein kommunistischer Zug. Der einzelne besitzt nichts, er braucht auch nichts zu besitzen. Entsprechend dem alten Essäer- Orden, aus dem das Christentum in seinen Begründern hervorgegangen ist, gibt es nur eine Gemeinsamkeit des Besitzes und des Genusses. Das Judentum kann nicht so denken. Der leibliche Genuß ist ihm nicht nur nicht verboten, er ist ihm empfohlen. Der sittliche Genuß, der Genuß innerhalb der sittlichen Grenzen ist sogar verdienstvoll. ״Komm, iß in Freude Dein Brot, trinke wohlgemuten Herzens Deinen Wein, wenn Gott an Deinen Handlungen Wohlgefallen gefunden hat.“ ״Freue Dich, Jüngling, Deiner Jugend und es tue sich gütlich Dein Herz in den Tagen der Jugendkraft; aber wisse, daß Gott für das alles Dich ins Gericht einführen wird.“ Billigt aber das Judentum den Genuß, so kann es auch nicht die Mittel verwerfen, die uns den Genuß ermöglichen. Nie und nimmer wird das Judentum auf die Reichen mit einem schelen Blick hinschauen; sie sind ihm durchaus ehrenwerte Leute, wenn sie in Gerechtigkeit den Reichtum erworben haben, wenn sie in Wohltätigkeit und Menschenliebe den Reichtum verwenden. Freilich liegt die Gefahr nahe, daß das Streben nach Reichtum eine Minderung der sittlichen Lebensauffassung nach sich zieht. Insoferne ist es bezeichnend, daß in der bedeutungsvollen Stelle Jesaja 53, 9 der עשיר der Reiche, in Parallele X

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