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Jeschurun · 1929-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1929) · p. Seite 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 18 (sequence 20)
Language
German
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18 Was schulden wir Juden dem Andenken Lessings? verständlichen Gesetze ethischer und reiner Forschung für die Geschichte der Offenbarung nicht beachtet werden. ,,Mit seichten Gründen behauptete Wahrheit“, pflegte Lessing zu sagen, ,,ist Vorurteil, nicht minder schädlich, als offenbarer Irrtum, und zuweilen noch schädlicher; denn ein solches Vorurteil führt zur Trägheit im Nachforschen, und tötet den UntersuchungsgeisL־. Ich bin versichert, wenn die Beurteiler der Fragmente sie mit schlechten Gründen verteidigt hätten, Lessing wäre der Erste gewesen, sie zu bestreiten.“8 Wir kämpfen mit Recht gegen die ־Geistestyrannei Einzelner oder Weniger, die ihre Meinung Allen aufzwingen wollen, hinter denen nicht die Autorität der größten und selbstlosen Kenner der Religion steht, die nicht von dem geweihten Consensus aller maßgeblichen Geister getragen werden. ,,Ich brauche den Hrn. Pastor nicht zu erinnern, wem er erst über die wahre Erklärung dieser Stelle genug tun muß ehe er fortfährt, sich ihrer so geradehin zu bedienen. Eine andere Konstruktion gibt den Worten des Paulus einen so anderen Sinn; und diese Konstruktion ist ebenso grammatisch, mit dem Zusammenhänge ebenso übereinstimmend, hat ebenso viele alte und neue Gottesgelehrten für sich, als die.... gebilligte Konstruktion: daß ich gar nicht einsehe, warum es schlechterdings bei dieser bleiben soll?“ (Antigoeze). Endlich erscheint uns ein Glaubenskampf als höchste sittliehe Pflicht gegen jede Weltauffassung, die den ethischen Opfermut des Menschen, den tragischen Lebenswillen zur Selbsthingabe an das Unendliche, die Bindung des Einzelnen an die höchsten Forderungen der Selbstüberwindung und der Lebensweihe brechen, als überflüssig hinstellen will, die statt immer erneut zum Ringen um das Absolute anzuspornen, die Gewissen einlullt und der verfeinerten Selbstsucht des Individuums das Wort redet. s) Ebds. S. 368.

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