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Jeschurun · 1929-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1929) · p. Seite 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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8 Was schulden wir Juden dem Andenken Lessings? ethische Höhe seines jüdischen Standpunktes vor den Äugen der Welt unverblümt beschämend dar legte. Lessing jubelte. Er feuerte Mendelssohn an, seinen Mann zu stehen. ,,Ich bitte Sie, wenn Sie darauf antworten, es mit aller möglichen Freiheit, mit allem erfindlichen Nachdruck zu tun. Sie allein können und dürfen in dieser Sache so sprechen und schreiben; und sind daher unendlich glücklieher als andere ehrliche Leute, die den Umsturz des abscheulichsten Gebäude von Unsinn nicht anders als unter dem Vorwände, es neu zu unterbauen, befördern können.3) Lessing erkennt, daß im Kampf um die Geistesfreiheit den Juden vom Schicksal eine besondere Rolle zugewiesen sei. Was an dieser Kontroverse so interessant ist: sie war gedacht als eine Auseinandersetzung zweier Glaubensbekenntnisse und der thoretischen Sicherheit und Zuverlässigkeit zweier Traditionen, sie wurde eine solche zwischen zwei Me nsehen, zwischen dem Juden und dem Nichtjuden, und ersterer hat gesiegt. Sie verdeutlicht einen Satz, der die Grundlage der ganzen Lessing’schen Weltanschauung bildet: nicht was wir glauben, was wir über das Metaphysische an Vorstellungen ausbilden und für wahr halten: sondern einzig und allein wie wir handeln, entscheidet über unseren Wert und Unwert als Menschen. ״Was hilft es, recht zu glauben, wenn man unrecht lebt?“4) Dieser Satz, dem auch Mendelssohn sein Werk: ״Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum“ gewidmet hat, ist das Glaubensbekenntnis Lessings. Es ist der Punkt, wo wir als Juden uns so ganz mit ihm begegnen, worin wir auch das Geheimnis unsrer prophetisch-rabbinischen Religion erblicken. Ueber die schweren Probleme religiöser Welträtsel wird und jnag man mit geistigen Waffen fort und fort im Kampf der Geister sich auseinandersetzen, mag jeden zu belehren und zu bekehren suchen, der belehrt und bekehrt sein will, der mich 3) Mendelssohn Ges. Sehr. V, 189. 4) Lessing im Aufsätze über die Herrnhuter.

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