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Jeschurun · 1929-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1929) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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Was schulden wir Juden dem Ändenken Lessings? 3 bildenden Kunst, dem größten Journalisten und dem scharfsinnigsten Kritiker in unserer Litteratur gelten, darf die leise Stimme der jüdischen Gemeinschaft nicht fehlen, die dem חסיד אומות העולם, dem Frommen und Gerechten unter den Völkern der Welt die ewige Dankesschuld bekennt. Wenn das deutche Volk neue Kränze des Lorbeers an Lessings Statue niederlegt, dann soll sich ihnen auch das bescheidene Blatt des Oelbaums, vom deutschen Juden zum Kranz gewunden, mit anfügen. Und mag die Stimme der großen Welt, im Munde ihrer größten Geistesvertreter, mächtiger und ehrenvoller tönen — dankbarer, herzlicher, inniger, tiefer aus der Seele kommend wie die unsrige kann keine andre sein. Wir grüßen sie, die hohen Manen Lessings, des Dichtung uns einen Schall vom Schofar des Messias, von der Heilsbotschaft der Zukunft bedeutet. Der Klassizismus, die mit dem Beginn des 18. Jahrhunderts einsetzende nationale Blüte deutscher Dichtung, die unsrem Vaterlande ihre Selbständigkeit gegeben, einen deutschen Geist geradezu geschaffen hat, sie war es auch, die die geistige Grundlage für die Emanzipation der Juden gelegt hat. Ihr Panier hieß Humanität, ihr Ergebnis die Entdeckung des Menschen, und es ist nicht wenig bedeutsam, daß die Entdeckung des Menschen auch die Entdeckung des Juden bedeutet. Das kann nicht Wunder nehmen; denn die Emanzipation der Juden ist kein isoliertes Problem der Kulturentwicklung, die ganze Geschichte der Menschheit ist eigentlich ein einziger großer Emanzipationsprozeß, bürgerliche und politische Freiheit nach Kant der letzte Zweck und das höchste Problem alles historischen Lebens. Denn überall ringt die Idee der Menschheit um ihre Verwirklichung, überall zeigt die Wirklichkeit nur ein häßliches Zerrbild der Völker- und Menschengesellschaft, die in Gerechtigkeit und gegenseitiger Liebe ihren eingeborenen Gottesadel entfalten sollte. Schon als der Staatsrat Dohm die erste Schrift ,,über die bürgerliche Verbesserung der Juden“ schrieb, konnte

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