Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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2 Was schulden wir Juden dem Andenken Lessings? gewand, ein Geistesheros und Held der Treue hinter abstoßender, unscheinbarer Hülle sich verbirgt. Und mit dem Wahrhsitsmut des Edlen tritt der Jüngling zwischen die Menge und kündet ihr laut und vernehmlich: Schmach über euch, ihr Blinden, ihr Hochmütigen, den wehrlosen Fremdling, dessen Wert ihr nicht kennt, dessen Wesen ihr nicht versteht, so schwer zu kränken, so unmenschlich zu erniedrigen. Wißt ihr denn, daß einen Edlen und Hohen ihr verfolgt, daß ihr euch selbst beschmutzt, indem ihr den Stein auf den Unglückliehen werfet?.... Und als er also sprach, der Jüngling, des hohe Geistesart sie nicht bestreiten ,konnten, da schwiegen alle beschämt, und die Besseren unter der Menge bekennen freiwillig ihre Schuld. Dieser Fremdling, es ist kein anderer als Israel im Galuth, das große Problem und Wunder der Weltgeschichte, des Wort und Lehre alle auf den Lippen tragen, dessen geistiges Erbe der Menschheit Tempel ist, das aber selbst ungekannt und unverstanden durch die Zeiten und Zonen irrt. Jener Jüngling aber, der es zuerst erkennt, jener Mächtige des Geistes und des Herzens, der den Nebelschleier des Vorurteils zerriß und für ewige Zeiten unter dem Rost der Jahrhunderte den goldreinen leuchtend schönen Metallkern bloßlegte, das ist Gotthold Ephraim Lessing, dem diese Weihestunde der Erinnerung den Dank später Enkel zum Ausdruck bringen soll. Lessing, der uns die Krone des guten Namens zurückgegeben, als den geist- und wortgewaltigen Künder unsres seelischen Selbst, als den frohgemuten Aufklärer alteingewurzelter Verblendung, als das Licht, das hineinleuchtete in die Finsternis der Hirne und Herzen, als den klangmächtigen Herold allgemeiner und jüdischer Menschenwürde zu feiern, ist die Absicht dieser schlichten Kundgebung. Im Chorus der Feiern, die dem großen Manne bei der zweihundertjährigen Wiederkehr seines Geburtstages gelten, die dem Wiederbegründer der deutsehen dramatischen Dichtung, dem geistigen Befreier Deutschlands von fremden Einflüssen, dem tiefgründigen Interpreten der Antike als des ewigen Vorbilds jeder, so redenden als