Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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”Tescfiururt 6. Jahrgang 5689 טבת—שבט Jan.—Febr. 1929 Heft i/2 Was schulden wir Juden dem Andenken Lessings? Eine Festrede. Von Joseph Carleb ach. Von einem Pilger wird uns Kunde, der ungekannt durch iie Länder irrt, ein Gespött der Menge, in undurchdringiches Geheimnis gehüllt. Niemand versteht seine Sprache, be~ *reift seine Seele, weiß, wer und was er ist. Wie bei allem Rätselhaften, Unverstandenen hat Mißtrauen und Vorurteil sein Vesen unter einem Zerrspiegel zu betrachten sich gewöhnt und e länger desto mehr alle moralische Verpflichtung gegen dieses Schreckgespenst von Fremdheit geleugnet. Jeder glaubt es als!eilige Gewißheit, diesen Aussätzigen und Gottgezeichneten, venn nicht mit eigner Hand töten, so doch seinem Schicksal der /erwahrlosung und des Verfalls überlassen zu müssen, weil;ein äußeres Bild untrügliches Kennzeichen auch innerer Vervorfenheit gebe. Da kommt von ungefähr ein Jüngling des Wegs, einer jon den Seltenen, aus deren Äuge die Erleuchtung blitzt, die iurch den Schein zum Kern der Dinge hindurchdringen, denen Schärfe des Geistes und Weite der Bildung jene Freiheit eines immer selbständigen Urteils und sicherer Gerechtigkeit verleiht, der sieht den unglücklichen Pilger, angespien von der Grausamkeit der Gedankenlosen, und zum Erstaunen, ja zum Entsetzen aller, er tritt auf ihn zu, er reicht ihm die Hand, um ihm, ein Seelenkundiger, ins Äuge, in die Tiefe der Seele zu blicken, und er gewahrt, daß hier ein König im Bettel- 1 .’־ .