Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 690 (sequence 114)
- Language
- German
- Belongs to
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690 Änders als die Änderen. deter jüdischer Künstler — als Assimilation brandmarkt. Das Urteil ist vollkommen falsch. Gewiß ist Assimilation nicht nur darin zu erblicken, worin sie die jüdischen Nationalisten sehen, die ja meist selber gehörig in ihr — selbst wie sie sie auffassen — stecken, nämlich in der Anpassung an die unterschiedlichen äußeren Kennzeichen der einzelnen Völker, sondern auch in der Angleichung an ihre besonderen oder gemeinsamen Weltanschauungen, bewußt gewordene und unbewußte, soferne sie der jüdischen Weltanschauung widersprechen. Und diese breitere Auffassung des Ässimilationsbegriffes ist für den überlieferungstreuen Juden von besonderer und fruchtbarer Wichtigkeit. Sie ist es, die ihm auch dazu verhelfen kann, die heute noch so stark verbreitete irrtümliche Auslegung der Forderung ״תורה עם דרך ארץ״ — wonach für das bißchen sozusagen zum Hausgebrauch notwendige Kultur der fremde דרך ארץ empfohlen wird — zu überwinden. Allein, es geht doch andererseits nicht an, unterschiedslos alle Betätigungsgebiete der anderen Völker für Kultur - Ausland anzusehen, und vor Allem nicht, Eigenschaften, Aeußerungen und Möglichkeiten der menschlichen Natur selbst auszuschließen, die bei den verschiedenen Völkern in verschiedener Ausprägung und Dosierung Vorkommen, aber letzten Endes doch allgemein menschlich sind, d. h. im Grunde nicht vom Menschen gehabt werden, sondern ihn haben. Man kann nur verlangen — und das ist allerdings strengstes Gebot des Judentums — daß diese Eigenschaften, Aeußerungen und Möglichkeiten in ihrem Charakter der jüdischen Weltanschauung und dem jüdischen Gesetze als der weltbedeutsamen Schule des jüdischen Volkes entsprechen. Erst wenn sie dies nicht mehr tun, wie z. B. die Kunstwerke fast aller moderner Künstler jüdischen Stammes, die nicht mehr vom jüdischen Weltbild erfaßt sind und nicht mehr in der Reichweite des Gesetzes leben, — erst dann bedeuten sie Assimilation und nicht schon an sich als menschliehe Eigenschaften, Aeußerungen und Möglichkeiten — von denen justament der jüdische Mensch befreit, oder besser, derer er beraubt sein soll.