Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 689

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
Seite 689 (sequence 113)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2292929-2293057-2293064--10205-2303499
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Änders als die Änderen. 689 dauer der alten baukünstlerischen Unfruchtbarkeit ist nur Teil״ erscheinung und Sgmbol eines Mankos an Schönheitsgut, das weit über die Grenzen der Baukunst und des Künstlerischen überhaupt hinausreicht. Es ist nötig, daß man dieses allgemeine Manko erkennt. Denn wenn dem jüdischen Volke eine einzelne Kunst fehlt, so ist das selbst dann, wenn es sie seiner Veranlagung gemäß und nach den Umständen, in denen es lebt, haben sollte, nicht so arg. Weit ärger ist, daß sich in neuerer Zeit — wenn man nicht den ausgebildeten Ordnungs- und Reinlichkeitssinn im Westen mit Schönheitssinn verwechseln und die Spuren eines viel Schönheit verratenden Lebensstiles im Osten nicht ungerechtfertigt der Gegenwart anrechnen will — auf der ganzen Breite des jüdischen Lebens, im Kleinen wie im Großen, dem Schönen gegenüber eine Empfindungs- und Bedürfnislosigkeit und eine Unzulänglichkeit bemerkbar machen, wie sie in solchem Ausmaße früher nicht bestanden. Am ärgsten aber ist, daß dieses allgemeine Manko in weiten Kreisen gerade der überlieferungstreuen Judenheit unverkennbar mit einer gewissen trotzigen Halbbewußtheit verbunden ist. Und das, enthüllt uns auch seinen Ursprung, der nicht in dem eingebildeten Gegensatz zwischen dem Reich des Schönen und dem Judentum liegt, sondern in der durch böse Erfahrungen ins Sinn-, Rechenschafts- und Uferlose gesteigerten Angst, die kein ״sich wehren der großen Masse“, aus ״untrüglichem Instinkt“ ist, wie unser Autor will, sondern ein von erschreckten Verantwörtlichen auf die Massen übertragenes verstiegenes Wittern, dem mehrfach sogar schon die Sorge für Ordnung und Reiniichkeit als unjüdisch erscheint. Nichts als dieses ungesunde Wittern liegt auch seinem Urteil zu Grunde, mit dem er die Sehnsucht nach jüdischer Kunst — er verwechselt bezeichnenderweise diese, die doch als neue, aus dem Thoraleben herauswachsende gedacht ist, einerseits mit den ״Bezalel“-Bestrehungen, andererseits mit dem Kunstbetrieb dem Judentum und der Jüdischkeit entfrem- 8

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.