Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 687 (sequence 111)
- Language
- German
- Belongs to
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Änders als die Änderen. 687 salnexus gewertet werden könnte. Denn schließlich ist die Dramenlosigkeit nicht im Thoraberuf, sondern im Subjektivismus des jüdischen Geistes und das heißt in der monotheistischen Erziehung zu ihm begründet. Und man kann sich ganz gut vorstellen, daß, wenn in irgend einer Zeit, nach vollständiger Sicherung des Gottesglaubens, eine größere Objektitivierung des jüdischen Geistes eintritt, b2i voller Treue gegen den Thoraberuf Israels ein jüdisches Drama entsteht. Ganz wie ihre Unfruchtbarkeit im Dramatischen ist zu beurteilen, daß die Juden keine auiochthone Bühne als national-religiöses Institut hervorbrachten, wie etwa die Griechen. (Nur daß hier noch ein hemmendes Motiv aus der Sphäre der Geschlechtssittlichkeit hinzukam.) Und es spricht nicht gegen diese Äuffassung, daß später viele hervorragende Schauspieler unter ihnen erstanden. Denn die Kunst des Darstellers fließt aus andersgearteten Geistesquellen als die nationale Konzeption des Theaters selbst. Sie ist versubjektivierte Objektivierung. Ganz anders als beim Drama und dem Theater liegt der Fall bei der Baukunst. Sie ist nicht verboten. Sie steht nicht im Widerspruch zum Weltbild der Thora, auch nicht im Entferntesten zum Thoraberuf. Sie kann mit ihren Linien keine Götterlarven in das Weltbild der Thora hineinschmuggeln. Sie hat im tiefsten Wesensgrunde nichts Gemeinsames mit den anderen bildenden Künsten. Sie ist kein Gleichnis der Episode, sondern Symbol der Weltenfülle. Sie ist nicht steinerne Dramatik, sondern steinerne Lyrik oder Musik, nicht Handlung, sondern seelischer Aufschwung, also für ein Volk von überstarker Subjektivität eine hervorragende Möglichkeit, diese in sichtbarem Kunstwerk zu entladen. Und doch . . . und doch findet sich nicht eine Spur jüdischer Architektur. König Salomo läßt den Tempel und sein Schloß von phönizischen Architekten bauen. Alle Erneuerungen des Tempels sind fremden Stiles, ebenso fast alle Synagogen bis auf den heutigen Tag.