Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 686 (sequence 110)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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686 Änders als die Änderen. lerei. Und Baukunst ist es ebensowenig wie Musik. Oder, um genauer zu sein: alle Kunst ist Gleichnisschöpfung zur Natur, nur daß in der Musik und in der Baukunst das Gleichnis selbständig und sozusagen unbildhaft, in den anderen Künsten den Gestaltungen der Natur nachgeformt und sozusagen bildhaft (,,Nachschöpfung“) ist. Und es müßte also, wenn unter פסל und תמונה wirklich mehr zu verstehen wäre, als was sie eben ihrem schlichten Wortverstande nach bedeuten, alle Dichtkunst gerade so verboten sein, wie die Plastik und die Juden hätten infolge ihres Thoraberufes für jene ebenso unfruchtbar werden müssen, wie für diese und für die nicht verbotene Malerei. Und umgekehrt hätten sie in der Baukunst ebenso fruchtbar werden müssen, wie in der Musik. Die Rechnung stimmt also -durchaus nicht. Das Verbot von פסל und תמונה ist ein Sonderfall, wegen der besonderen Versuchung zum Götzendienst ausgesprochen. Älle anderen Künste sind unverboten und können nur dann in Widerspruch zum Thoraberuf des jüdischen Volkes geraten, wenn sie, wie übrigens alle geistige und gesellschaftliche Tätigkeit auch, eine Steigerung der ihnen innewohnenden Versuchungselemente erfahren. Daß aber die Juden, während sie in der Dichtung und Musik schöpferisch wurden, in allen anderen Künsten — nicht bloß in der verbotenen Plastik und der in Mitleidenschaft gezogenen Malerei — nicht einmal einen Änsatz von Entwicklung aufweisen, hängt mit ihrem Thoraberuf nur mittelbar oder gar nicht zusammen. Das Fehlen der dramatischen Dichtung, die eine Veranlagung des Geistes zu starker Objektivierung voraussetzt, entspricht dem starken Subjektivismus der jüdischen Geistigkeit und wird vollends begreiflich, wenn man an den sakralen Ursprung des Dramas denkt. Eine Mehrzahl von Göttern, die sozusagen auf menschlichem Fuße lebend gedacht wurden, bot religiös-dramatischen Stoff, der einzige, ureinsame Gott verlockte nicht auf dramatisches Gebiet. Damit ist wohl ein mittelbarer Zusammenhang zwischen Dramenlosigkeit und Thoraberuf aufgewiesen, doch eben kein unmittelbarer, der als Kau-