Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 685 (sequence 109)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Änders als die Änderen. 685 Vor Allem: ״Wir Juden haben keine Kunstwerke geschah fen“ . . . Wie das? Und das Psalmbuch, das Lied der Lieder, das Buch Hiob, das Buch Jona, die Prophetenreden, — sie alle sollten, abgesehen von ihrem unermeßlichen Werte für Gotteserkenntnis und Sittlichkeit, nicht auch Kunstwerke von beispielloser Schönheit sein? Oder die herrlichen uns überlieferten Melodien sollten nicht Kunst sein? Und ist nicht auch noch in späteren Zeiten Bedeutsamstes an gedichteter und Töne-Schönheit in Israel, im gläubigen Israel, geschaffen worden? Nun ist ja nicht zweifelsfrei festzustellen, ob unser Autor mit seinem Banne alle Kunst — höchstens vielleicht mit Ausnahme von Dichtung und Musik — treffen will, oder ob er im Grunde nur die bildenden Künste meint. Manche seiner Aeußerungen deuten auf die allgemeine Verfemung hin — so z. B. die reichlich phantasievolle Stelle: ״Wer weiß, ob nicht die fortwährenden furchtbaren wie Blitzesstrahlen geschleuderten Strafreden unserer Propheten auch gegen die zeitweilig auftauchenden, durch nichtjüdische Umgebung infizierten Kunstbedürfnisse des jüdischen Volkes, gedonnert wurden?“ Andere Aeußerungen wieder scheinen für die Beschränkung auf die bildenden Künste zu sprechen und soweit hätte er uns auch sagen müssen, warum der Thoraberuf der Juden sie gerade nur in Bezug auf diese Künste unfruchtbar werden ließ und nicht auch in Hinsicht auf Dichtung und Musik. Sollte er uns aber etwa diese Inkongruenz mit der Behauptung, ״daß jenes ,לא תעשה לך פסל וכל תמונה וגו den ganzen Gesamtkomplex der nichtjüdischen Stellungnahme des Menschen zu Gott, die menschliche Nachschöpfung der Natur, mit einer grundlegenden Geste verneint,“ also damit erklärt haben wollen, daß die Künste, die nicht zu den bildenden gehören, keine menschliche Nachschöpfung der Natur bedeuten, — so wäre diese Erklärung vollständig ungenügend. Denn die Dichtkunst in allen ihren Arten, übrigens auch die darstellende Kunst, ist, wenn man schon den Ausdruck gelten lassen will, geradeso ״NachscLöpfung der Natur“, wie Plastik und Ma-