Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 684 (sequence 108)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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684 Anders als die Anderen. die Uebrigen“1) Und etwas weiter: ,,Die geistige Strukfür, die bei den Änderen zur Schaffung von Kunstwerken Voraussetzung ist, ist uns nicht eigen.“ Die Verfehltheit dieser Gedankengänge geht schon aus der ganz und gar ungerechtfertigten Gleichstellung der Kunst mit der Philosophie hinsichtlich ihrer Beziehungen zum Judentum hervor. Philosophie ist — und das soll kein Werturteil sein — zu allen Zeiten für Einzelne, nie für irgend ein Volk so etwas wie Religionsersatz gewesen und es ist nur natürlich, daß solche Einzelne in einem Volke, das bis zu seinen höchsten geistigen Spitzen von der gewaltigen Konzeption des einzigen Gottes als des seiner selbst bewußten planenden Urgrundes aller Dinge erfüllt war, nicht so hervorkommen konnten, wie bei den heidnischen Völkern, deren Religionen die letzten Fragen eigentlich offen ließen. Äus demselben Grunde welkte ja auch die Philosophie dahin, als das antike Heidentum schwand und die europäisch-vorderasiatische Menschheit sich inbrünstig dem Gott der Christen und der Mohammedaner hingab, und stand erst wieder auf, als die Intellektuellen die sichere Gläubigkeit verloren und, auf christlicher Seite obendrein mit dem Ältertum kokettierend, auf die lustige Suche nach einer anderen Stillung ihres metaphysischen Durstes gehen mußten. Und ebenso steht auch Spinozas Philosophie mit seinem Abfall vom Judentum in innigem Zusammenhang. Was aber von der Philosophie gilt — von der ״reinen“, von der Religion unabhängigen Philosophie — gilt schon nur in sehr geringem Grade von der Religionsphilosophie, — insoferne sie nämlich zuweilen glaubt, die religiösen Fundamente geradezu noch untermauern zu müssen, während ihre Aufgabe nur ist, den Weltanschauungsgehalt der Religion systematisch aufzuzeigen. Und es gilt ganz und gar nicht von der Kunst. 1)Im Original gesperrt.