Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 683 (sequence 107)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Anders als die Änderen. 683 Rechts- und Sittlichkeitssubstanz vorhanden ist, als für die anderen Völker und nicht vielmehr darin, daß wir durch die Thora diese ideelle Substanz alien voran und leichter als Alle zu Wirklichkeit verdichten können. (Wohlgemerkt: können. Denn in der Tat werden wir ja leider unserer konkreten Thora nicht viel mehr gerecht als die Änderen dem abstrakten Sittengesetz.) Dabei ist dieser Irrtum in Bezug auf das Anderssein der Juden für das Gebiet des Rechtes und der Sittlichkeit noch nicht allzu bedenklich. Abgesehen von einer gewissen lieber- Spannung oder besser Fehllenkung des Selbstgefühls, die dem Charakter gewiß nicht förderlich ist, kann es sonst für den ethischen Gehalt des jüdischen Lebens keinen großen Unterschied bedeuten, ob die Juden das Wort Sittengesetz — es handelt sich ja dabei eigentlich nur um das Wort — scheuen oder nicht. Viel bedenklicher wird der Irrtum, sobald und insoferne er auf das Gebiet der Kunst hinüberspielt, — bedenklicher zunächst schon deshalb, weil man da Manches zusammentragen und axiomatisch zuspitzen kann, was ihn bei weniger Nachdenklichen ins Recht zu setzen scheint. ,,Und um die Kunst — Judentum und Kunst — es ist kein Problem. Wir wissen es, wir fühlen es in unserm Innern, es sind einander fremde Welten. Scheuen wir nicht, es auszusprechen, wir Juden haben keine Kunstwerke geschaffen — auch nicht zur Zeit unserer Selbständigkeit, wo alle äußeren Bedingungen gegeben waren. Ebenso wie wir keine jüdische Philosophie haben und alle unsere philosophischen Erzeugnisse auf griechischen und arabischen Einfluß hin entstanden sind. Es gibt eine Gotik als wundervollen Ausdruck christlich-mystisehen Denkens, es gibt einen maurischen Stil, es gibt ägyptische, assyrische und indische Architekturen als steinerne Zeugen eines tiefen Sichversenkens in die Geheimnisse des Alls, aber einen jüdischen Stil gibt es nicht. Es gibt daran nichts zu deuteln und zu drehen, es ist nun einmal so und es gibt da nur einen Schluß: ,,Wir sind nun einmal anders als