Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 682 (sequence 106)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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682 Anders als die Änderen. haupt nicht so freigiebig sein — ״den מצוות התורה einen moralischen oder ethischen Zweck unterschieben zu wollen“, gilt ja doch nur von einer gewissen Klasse der Gebote. Von den anderen, die — man kann nun einmal nicht anders sagen — ethischer Natur sind, gilt das sicherlich nicht. Man tut auch der Thora nicht den geringsten Abbruch, fördert vielmehr ihr Begreifen, wenn man ihren Inhalt systematisch sichtet und sagt: Das ist eine historische Mitteilung mit religiösem Gehalt, das ein Rechtssatz, das eine sittliche Forderung usw., — ebenso wie man sie nicht herabsetzt, wenn man sagt, daß sie aus Sätzen besteht, die Sätze aus Wörtern, die Wörter aus Buchstaben. So wie das nicht heißt: die Buchstaben, Wörter und Sätze stehen über der Thora, so heißt jenes nicht, daß Recht und Moral der Thora übergeordnet, sondern nur, daß sie gesellschaftliche Kategorien sind, die in einem Werke, das Gott für die Menschen schuf, ebensowenig ja noch weniger fehlen können, als in Werken, die von Menschen für Menschen geschaffen werden. Es ist nicht nur keine zu verulkende Unsitte, sondern wohltätige Notwendigkeit, alles das, was nach göttlichem Willen zu den Pflichten des Menschen gegen den Menschen und die Kreatur gehört, unter dem Begriff Sittengesetz zusammenzufassen und als überall bei den Menschen wirksam, wenn auch nicht — leider auch bei uns Juden nicht — in voller Wirkung, anzuerkennen. Und was unserem Autor als ״Uebereinkommen“ und Aufzwingung so sehr mißfällt, hebt nicht das Recht und das Sittengesetz auf, wie er im Verein mit allerlei relativistischen Freigeistern wähnt, sondern stellt nur Formen dar, in denen Völker, Gruppen und Individuen von der geraden Linie des absoluten Rechtes und Sittengesetzes abweichen oder in die sie sich nach ihrer Sonderart auf der einen oder anderen Stufe der Annäherung an jene gerade Linie kleiden. Im Uebrigen spricht er auch vom ״ursprünglichen absoluten Schöpfungsrecht“. Als ob dieses etwas anderes sein könnte als das Sittengesetz und das Thorarecht. Und als ob daher das Anderssein des jüdischen Volkes wirklich darin bestehen könnte, daß für uns eine andere