Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 680 (sequence 104)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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680 Anders als die Änderen. dem Zeitlichen ins Ewige wandelt, den wahren Sachverhalt nicht ganz wieder. Unser Autor bezeichnet selbst die Thora als die ״Aus׳- Strahlung Gottes zu den Menschen“ und erkennt damit unwillkürlich an, daß die Thora auch die Menschen, denen sie nicht unmittelbar gegeben wurde, irgendwie angeht. Aber er vergißt in seiner Lust, den innern Gegensatz zwischen Juden und Nichtjuden auf unerhörte Weise zuzuspitzen, auf den Charakter des Judentums als Weltschicksalsreligion, auf et׳- was, was aus vielen Stellen der heiligen Schrift mit unverwischbarer Deutlichkeit hervorgeht: Daß nämlich הש״י die Juden nicht dazu auserwählt hat, daß sie, die Wenigen, für ewige Zeiten die Einzigen bleiben, um das metaphysische Bedürfnis religiös zu aktivieren, sondern auf daß sie für alle Völker ein Beispiel seien und immer mehr werden. Er vergißt, daß die Thora dem jüdischen Volke wohl gegeben wurde, daß es seinem Gotte in Vollkommenheit diene, aber auch zu dem Zwecke, um durch das Beispiel der Vollkommenheit die Völker, wenn auch nicht für die besonderen jüdischen Pflichten, so doch für den Geist der Thora zu gewinnen. Er vergißt, daß im Laufe der Jahrtausende sogar schon gewisse Fortschritte darin erzielt wurden und nur vermöge des allen Menschen eigenen metaphysischen Bedürfnisses und religiösen Befähigtseins erzielt werden konnten. Nein, es ist wahrlich nicht nötig, einen Gegensatz zu konstruieren, gemäß dem allen nicht jüdischen Völkern die Fähigkeit, ihr metaphysisches Bedürfnis religiös zu aktivieren, rundweg abgesprochen wird. Ist doch sogar den בבי נח die religiöse Aktivierung ihres metaphysischen Bedürfnisses vom Judentum ausdrücklich attestiert. Und daß aus solcher, uns nicht ganz befriedigender, Aktivierung ohne Annahme des Ju׳- dentums eine vollständig befriedigende werde, ist nicht nur denkbar, sondern geradezu ein jüdischer Glaubenssatz. Das מלא הארץ דעה meint keine jüdisch gewordene, sondern eine vom jüdischen Geist erfüllte Welt. Das Judentum — ״alleinseligmachend“ nur für Kinder Israels — hat ebensowenig die