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Jeschurun · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 671

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
Seite 671 (sequence 95)
Language
German
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Der Passauer JudenprozeB 1478. 671 verständlich. Das war ja aus anderen Prozessen gerichtsnotorisch. Wie Christoph gehört hatte, daß die Juden Hostien kaufen, so wußte Sebastian von der Alben nicht nur, daß die Juden die Hostien bis zum Bluten durchbohren, sondern auch daß sie diese verbrennen. Stadt- und landbekannt war die in der Nähe gelegene Deggendorfer Gnaden- und Grabkirche. Auch in Deggendorf hatten sich die Juden 1337 nach dem um die Mitte des 15. Jahrhunderts niedergeschriebenen Berichte1 Hostien durch eine Christin zu verschaffen gewußt. Sie berieten sich, als das Sakrament ihnen gebracht wurde, und trieben mit ihm ihren Spott. Ein Jude stach mit einer Ahle hiinein. Da drang rosenfarbenes Blut hervor, und auf der Hostie zeigte sich ein Kind. Vergebens suchte ein anderer Jude die Erscheinung mit einem Hagedorn zu zerkratzen. Darauf warfen die Juden das Sakrament in einen brennenden Ofen, es verbrannte aber nicht. Nun legten sie die Hostien auf einen Ambos und schlugen mit Schmiedehämmern darauf. Als auch so das Sakrament unversehrt blieb, wollte ein Jude die Himmelsspeise verschlucken, aber ״Got in aines Kindlins Weiß“ hinderte ihn daran. In diesem Augenblick erschien vor den Missetätern die Jungfrau Maria, umgeben von einer Engelschar, und sprach: ,,Ihr falschen Juden blind, wie marteret Ihr mir mein Kind!“ Während dessen ging ein Wächter vor dem Hause vorbei, hörte Marias große Klage und meldete dies sofort den Ratsherren. ,,Die Herren giengen mit ihm dar, der Juden Mordt ward offenbar.“ Infolgedessen wurden alle Deggendorfer Juden teils erschlagen, teils verbrannt. Zur Verewigung der vor gekommenen Wunder wurde eine Kirche erbaut, die von Päpsten und Bischöfen mit Ablässen über- 1 Gedruckt von Liliencron I, Nr. 12 S. 46—48; Steub״ Altbayerische Kulturbilder, S. 146—150 und Heuwieser in der Niederbayerischen Monatsschrift V, 74—75. Vgl. Äretin S. 21—31 und Riezler II, 523.

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