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Jeschurun · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 670

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
Seite 670 (sequence 94)
Language
German
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670 Der Passauer JudenprozeB 1478. die Juden vorgehen, sie gefangen setzen und ihnen den Prozeß machen. Bis der aber zu Ende ging, konnten Wochen und Monate vergehen. Da Christoph ins Passauer Gefängnis eingeliefert wurde, lag es für ihn nahe, die Passauer Juden zu bezichtigen, für die er schon Botengänge gemacht hatte. Um noch sicherer zu gehen, gab er an, auch nach Regensburg Hostien verkauft zu haben. Er hatte dabei das Pech, den Namen eines Juden anzugeben, der sich zur Zeit des erdichteten Verkaufs garnicht in Regensburg befand. Nun, konnte nicht der Vater der Käufer sein, so war es der Sohn. Immerhin hatte er mit seinen Lügen über Juden Passaus und Regensburgs zwei Eisen im Feuer, um nicht so schnell sein Leben hingeben zu müssen. Wie sich in Passau der Prozeß gegen die dortigen Juden abspielte, haben wir früher gesehen. Die erhaltenen ״Protokolle“ lernten wir als einen vom Richter gemachten, zusammenfassenden Bericht über die Geständnisse kennen. Betreffs der den Angeklagten im Verhör vorgelegten Fragen erfuhren wir hierbei nichts. Doch wissen wir aus dem Trientiner Prozeß, wie solche Fragen gestellt wurden, die Juden das vorgeworfene Verbrechen abstritten, aber nach und nach unter der Folter alles Zugaben, was man von ihnen hören wollte. War einmal die Anklage wegen Ritualmordes oder Hostienfrevels erhoben, so waren die Juden von vornherein verloren, ihr ^Schicksal war besiegelt. Leugneten sie am Anfang, so brach die Folter ihren Widerstand und, wenn ein neues Verhör begann, so machte mancher schon vor Einsetzung der Marterwerkzeuge sein Geständnis. Nur wenige blieben standhaft. In diesem Falle wurden die ,,Halsstarrigen“ erst recht wegen ihres hartnäckigen Leugnens verurteilt. Es fand sich ja immer ein Schwacher, der, mürbe geworden und verzweifeit, auf Verlangen alle Genossen belastete. Für den Passauer Richter stand infolge der Aussage Christophs der Verkauf der Hostien an die Juden Männdel und Unger fest. Die Annahme, daß die Juden die Hostien an sich brachten, um sie zu martern, war ihm sofort ganz selbst-

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