Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 668

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
Seite 668 (sequence 92)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2292929-2293057-2293064--10184-2303478
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

668 Der Passauer JudenprozeB 1378. dem Jaden weltenfern, durch Stechen festzustellen, ob das katholische Dogma auf Wahrheit beruhe. War demnach die Annahme vom Hostienfrevel der Ju״ den sinnlos, so war sie auch vernunftswidrig. Erst 1421 waren in Wien 210 Juden, der Hostienschändung angeklagt, ver״ brannt und alle Juden aus Oesterreich vertrieben worden. Das gleiche Schicksal der Verbrennung hatte 1453 aus dem״ selben Anlässe 41 Juden in Breslau betroffen, und auch hier hatte man die übrigen Juden ausgewiesen. Und da sollten schon 1478 die Passauer Juden bei vollem Verstände sich von neuem durch Ankauf und Peinigung von Hostien ins Un״ glück gestürzt haben? Noch ging durch alle Lande die Kunde von dem Trientiner Ritualmordprozeß 1475—78, und in nächster Nähe, in Regensburg, lagen gleichfalls unter Anklage des Ritualmordes 17 Juden seit 1476 im Gefängnis. Da müßten ja die Passauer Juden wahnsinnig gewesen sein, wenn sie, des sicheren Todes gewiß, einen neuen Religionsfrevel durch ,,Peinigung“ von zwei Oblaten begingen, und nicht weniger kindisch, wenn sie ihr Leben aufs Spiel setzten und sich auf das Stillschweigen des christlichen Knechtes ver״ ließen. Und um den Unverstand zu steigern, sollen sie gar noch sechs Oblaten nach Prag, Salzburg und Wiener Neu״ stadt gesandt haben, um auch diese Judengemeinden dem Verderben zu überliefern! Wie die früheren Anklagen des 13. bis 15. Jahrhunderts erlogen waren, um andere Beweg״ gründe zu verdecken, so gehören auch in Passau Kauf, Ver״ Sendung, Peinigung mit Bluterguß, Verbrennung mit Wundererscheinung ins Reich der Erdichtung. Keines von ihnen ist in Wahrheit geschehen. Die Behauptung des Hostienkaufs rührt von dem Einbrecher und Dieb Christoph her. Nach seinem Geständnis brach er in Regensburg, St. Veith und Germannsberg die Kirchstöcke auf und entnahm ihnen Geld. In Fregung tat er dasselbe, ließ aber das Geld liegen; da es nur kupferne Pfennige waren, und stahl acht Hostien. In Weng entwendete er sieben Hostien. Ob diese Einbruchsliste vollständig ist,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.